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Bewusstsein statt Leistungsoptimierung: Interview mit Dr. Miriam Stark über zyklusorientiertes Arbeiten

Als Beraterin und Coach hilft Dr. Miriam Stark ihren Klientinnen, selbstbestimmter und freier zu leben. Einer ihrer Ansätze ist das zyklusorientierte Arbeiten. Im Interview spricht sie über die Superkräfte der vier Zyklusphasen und darüber, wie besonders Selbstständige sie nutzen können.

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lexfree: Miriam, du machst dich für zyklusorientiertes Arbeiten stark. Lass uns doch einmal durch die vier Zyklusphasen gehen, um zu verstehen, was da im weiblichen Körper und emotional passiert – und wie wir das im Arbeitsleben nutzen können. Phase 1…

Dr. Miriam Stark: … beginnt nach der Blutung. In dieser Phase ist die Eizellreifung in vollem Gange und der Östradiolspiegel steigt. Emotional wird unser junger archetypischer Anteil aktiviert. Das bedeutet: Wir sind im Aufschwung und kognitiv super leistungsfähig. Wir können sehr gut neue Inhalte lernen und auch Dinge erledigen, die uns nicht leicht von der Hand gehen – zum Beispiel Excel-Tabellen oder die Steuererklärung.

lexfree: Wie geht es dann weiter in Phase 2?
Dr. Mirjam Stark
Dr. Miriam Stark, Beraterin und Coach; Credits: Mona Dadari

Dr. Miriam Stark: Jetzt ist das Östradiol auf dem Peak, eine Eizelle springt – ein spektakulärer Moment im Zyklus. Dieses Östradiol-High macht uns besonders attraktiv, sexy, genussvoll, und unfassbar diplomatisch, weil unser mütterlicher archetypischer Anteil aktiviert ist. Das können wir im Job für Konfliktgespräche nutzen. Oder auch auf der Bühne zu stehen, Kundengespräche zu führen – alles, wofür wir diese Extraportion Diplomatie und sympathische Ausstrahlung brauchen.

lexfree: In Phase 3 muss es dann ja zwangsläufig abwärts gehen…

Dr. Miriam Stark: Ja, zumindest auf den Östradiospiegel trifft das zu, der sinkt. Jetzt rückt das Progesteron auf den Plan. Und dieses Hormon macht etwas mit uns, was die Gesellschaft gar nicht vorsieht: Wir wollen uns zurückziehen. Wir sind dafür sehr gut darin, neue Strukturen zu kreieren, Muster zu erkennen, Inhalte zu sortieren. Und wenn der Körper dann checkt, dass keine Schwangerschaft besteht, ist plötzlich ganz viel überschüssige Schaffenskraft da. Diese Mischung – Rückzug und Schaffenskraft – ruft den magischen archetypischen Anteil auf den Plan. Wir kreieren nicht kognitiv, sondern intuitiv – diese Kraft ist eine Naturgewalt, die im Kopf nichts verloren hat.

lexfree: Zu guter Letzt folgt dann noch Phase 4.

Dr. Miriam Stark: Progesteron- und Östradiolspiegel sind jetzt auf dem Tiefstand; die Blutung startet. Der hormonelle Tiefstand macht zwei Dinge mit uns: Wir sind physisch nicht sonderlich leistungsfähig und gleichzeitig sehr klar, weil wir eben nicht hormonell gedopt sind. Diese Weisheit aktiviert den alten archetypischen Anteil. In dieser Phase können wir die Superkraft des Loslassens für uns nutzen – uns verabschieden von Themen, auf die wir keinen Bock mehr haben, und Business Development betreiben. Die hormonelle Klarheit gibt uns die Superkraft der Weisheit und das Wissen, was wirklich wichtig ist in unserem Leben.

lexfree: Du selbst arbeitest ja auch selbstständig. Wie können Selbstständige ihren Zyklus bei der Planung ihrer Arbeit berücksichtigen?

Dr. Miriam Stark: Es geht nicht darum, Zyklus und Terminkalender zusammenzupressen. Denn dazu müsste man vom Zyklus erwarten, dass er wie ein Uhrwerk funktioniert. Der Zyklus darf variieren! Man sollte also nicht dogmatisch seine Termine an den Zyklus angleichen. Es geht vielmehr darum, sich immer wieder zu fragen: Was ist denn gerade für mich dran? Diese Antwort wollen immer alle nicht so gerne hören, denn sie bedeutet: Der Zyklus ist kein interner Task-Organizer!

lexfree: Das heißt, es geht mehr um Bewusstsein als um Selbstoptimierung?

Dr. Miriam Stark: Genau! Natur ist zyklisch. Und wir sind Natur. Und in diesem natürlichen Bewusstsein zu sein, das höher zu priorisieren als eine Leistungsmaschinerie, daran möchte ich die Menschen erinnern.

In Phase 1 kannst du vielleicht am Rechner sitzen und richtig was wegballern. Zwei Wochen später klappt es dann nicht – dann ist es gut, einen Check-In zu machen und sich zu fragen: Was ist denn heute für mich dran? Darauf zu achten und dem zu folgen, darum geht es.

lexfree: Gibt es etwas, das du persönlich durch diese Art des zyklusorientierten Arbeitens entdeckt hast?

Dr. Miriam Stark: Ja, ich habe es zum Beispiel geliebt, während meiner Periode Workshops zu halten, weil ich meinen Kopf nicht anmachen muss, sondern ganz intuitiv drangehen kann. Das ist ein so schöner Flow, weil unsere Köpfe oft so übertrainiert sind. In Phase 4 können wir andere Weisheitszentren aktivieren.

lexfree: Ist es für Selbstständige leichter oder schwieriger, dem Zyklus im Arbeitsalltag Beachtung zu schenken?

Dr. Miriam Stark: Definitiv leichter! Ich glaube eine Unternehmenskultur muss sehr offen dafür sein, damit das gut funktioniert. Wenn du selbstbestimmt arbeitest und verstanden hast, dass dein Unternehmen absolut nach deinen Regeln passieren darf, dann ist zyklusorientiertes Arbeiten im Prinzip die logische Konsequenz.

Zu guter Letzt: Die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Interview zusammengefasst

Was sind die vier Zyklusphasen?

In Phase 1 steigt der Östradiolspiegel. Sie beginnt nach der Blutung. Phase 2 ist die Woche, in der der Eisprung stattfindet. Hier ist das Östradiol auf dem Peak. In Phase 3 wirkt Progesteron auf den Körper, sie ist die Phase des Rückzugs. Phase 4 bezeichnet die Zeit der Blutung. Hier sind der Progesteron- und Östradiolspiegel auf dem Tiefstand.

Welche Auswirkungen haben die einzelnen Zyklusphasen auf Frauen?

In Phase 1 des Zyklus sind Frauen super leistungsfähig. Das heißt, sie können neue Inhalte sehr gut aufnehmen. In Phase 2 wirken Frauen besonders attraktiv und anziehend. Außerdem sind sie sehr diplomatisch. Das Progesteron in Phase 3 sorgt dafür, dass Frauen sich am liebsten zurückziehen würden. In Phase 4 sind sie sehr klar und können gut loslassen.

Wie können Selbstständige ihren Zyklus für ihre Arbeit nutzen?

Wichtig ist, dass man nicht dogmatisch seine Termine an den Zyklus angleicht, sondern sich immer wieder fragt: Was ist gerade für mich dran? Denn der Zyklus kann variieren, daher sollte man entsprechend flexibel sein und ein entsprechendes Bewusstsein dafür entwickeln.

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