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Solange Verbraucher:innen sowie politische und gesellschaftliche Akteur:innen unternehmerische Nachhaltigkeit nicht angemessen wertschätzen, bleibt es bei wechselseitigen Schuldzuweisungen, jeweils nicht genug getan zu haben. Es scheint beinahe so, dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg widersprechen. Kann es sein, dass der Schein trügt? Ein Perspektivwechsel!

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Nachhaltig­keit und wirtschaft­licher Erfolg – kein Widerspruch!

Nachhaltig wirtschaftende Familienunternehmen weisen einen höheren Innovationsgrad, eine höhere Arbeitgeberattraktivität und ein besseres Unternehmensimage auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wittener Instituts für Familienunternehmen (WIFU) (vgl. Forum Wirtschaftsethik, 2020). Darin stellen die Autor:innen unter anderem fest, dass das jeweilige Nachhaltigkeitsengagement erheblich variiert und stark vom normativen Einfluss der Unternehmerfamilie getrieben ist. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg LBBW. Demnach macht sich Nachhaltigkeit auch bei den klassischen wirtschaftlichen Kennzahlen positiv bemerkbar. Nachhaltig agierende Unternehmen der Konsum- und Handelsbranche haben eine im Durchschnitt um sechs Prozentpunkte höhere EBIT-Marge (Earnings Before Interest and Taxes, deutsch: Gewinn vor Zinsen und Steuern) als weniger nachhaltig agierende Wettbewerber (vgl. LBBW, 2018).

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Unternehmen wie Rapunzel, Gramm.genau, Trigema, Plastic2Beans, Wildling Shoes, Vaude, Erlich Textil, Wetell, Global Ice Tec und sicher noch viele mehr, die jeden Tag allein durch ihre Existenz den Nachweis erbringen, dass unternehmerische Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind. Unternehmen wie diese zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie …

  • bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung übernehmen
  • die Lösung gesellschaftlicher Probleme zum Zweck des Unternehmens machen
  • unternehmerische Nachhaltigkeit fördernde Entscheidungen treffen
  • nicht Spielball von überzogenen Renditeerwartungen der Shareholder sind
  • selbst maßvolle Gewinnansprüche formulieren und sich selbst nachhaltig verhalten
  • Gewinne zur Zukunftssicherung des Unternehmens reinvestieren
  • ihr Unternehmen in Verantwortungseigentum umwandeln
  • das Unternehmen werteorientiert führen
  • nach den Prinzipien der Gemeinwohlökonomie arbeiten
  • kollaborativ arbeiten, auch über die Grenzen des Unternehmens hinweg
  • nutzungsabhängige Geschäftsmodelle favorisieren
  • die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft anwenden

Allen gemeinsam ist, dass sie mit unternehmerischer Nachhaltigkeit Einkommen generieren und Gewinne erwirtschaften, die sie zur Existenzsicherung brauchen.  

Solo-Selbstständige können unternehmerische Nachhaltig­keit praktizieren

Auch Solo-Selbstständige müssen mit ihrer Tätigkeit Einnahmen erwirtschaften, die nicht nur die Ausgaben decken, sondern auch Überschüsse produzieren. Das ist keine neue Erkenntnis. Die Art und Weise, wie diese Überschüsse erwirtschaftet werden, macht den Unterschied. Nicht alle Solo-Selbstständigen werden den Kund:innen die eigenen Vorstellungen von unternehmersicher Nachhaltigkeit nahebringen können. Aber sie können versuchen, unternehmerische Nachhaltigkeit zu ihrem Markenzeichen zu machen, indem sie beispielsweise als …

  • Ingenieur:innen / Architekt:innen bei der Sanierung von Häusern ausschließlich energetische Sanierungsmaßnahmen umsetzen
  • Energie-Effizienz-Expert:innen Immobilienbesitzer:innen bei der Sanierung von Gebäuden beraten und unterstützen
  • Maler:innen ausschließlich Farben, Lacke und Tapeten verwenden, die umwelt- und gesundheitsverträglich sind und entsprechende Siegel führen
  • Designer:innen Produkte langlebiger und recyclingfähig gestalten
  • Dozent:innen nachhaltiges Verhalten und Wirtschaften vermitteln
  • Mitglied eines Heilberufes nur wirkungsvolle Maßnahmen, Methoden und Medikamente einsetzen, zum Wohl der Patient:innen und nicht zur Steigerung des Umsatzes
  • IT-Spezialist:innen Software entwickeln, die weniger Speicherplatz und weniger Strom verbrauchen
  • Rechtsanwält:innen keine Mandate übernehmen, die sich nachteilig auf ökologische und/oder soziale Aspekte der Nachhaltigkeit auswirken und die bestehende Art zu Wirtschaften manifestieren helfen

Nachhaltigkeit wird sich im Laufe der Zeit immer mehr in das Bewusstsein der Menschen einbrennen. Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Auswirkungen – unter anderem die stark gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise – tragen dazu bei. Die Corona-Pandemie hat sich positiv auf die CO2-Emissionen ausgewirkt, nicht zuletzt durch vormals nie denkbare Home-Office-Lösungen.

Den Grad der unternehmerischen Nachhaltigkeit entscheidet jede:r für sich

Ausnahmslos jede unternehmerische Entscheidung wird von Menschen getroffen – für oder gegen unternehmerische Nachhaltigkeit. Dies gilt im Besonderen für jede:n Solo-Selbstständige:n. Sie müssen keine langwierigen Entscheidungsprozesse durchlaufen oder gegen tradierte Ansichten von Kolleg:innen ankämpfen. Sie müssen den Grad der eigenen unternehmerischen Nachhaltigkeit nur mit sich selbst ausmachen. Sie bestimmen das richtige Maß ihres wirtschaftlichen Erfolgs – das ist leichter gesagt als getan. Denn ein Schwenk zu mehr unternehmerischer Nachhaltigkeit ist anstrengend und gleicht einem Marathon.


Fazit: Einfach machen

Wir Menschen und unsere gestressten Sozial- und Ökosysteme haben nicht die Zeit, auf Regulierungen von Politik und Gesellschaft zu warten. Unternehmen und Solo-Selbstständige haben es selbst in der Hand, etwas zu tun. Warum also warten, wenn es doch heute schon geht?

Quellen

Zu guter Letzt: Drei häufige Fragen und Antworten zu diesem Thema

Sind Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg ein Widerspruch?

Nein. Das belegen nicht nur Studien, sondern auch viele Unternehmen wie z. B. Rapunzel oder Vaude.

Können auch Solo-Selbstständige durch Nachhaltigkeit wirtschaftlich erfolgreich sein?

Ja. Auch Solo-Selbstständige müssen Überschüsse erwirtschaften. Das ist keine neue Er-kenntnis. Aber die Art und Weise, wie diese Überschüsse erwirtschaftet werden, macht ei-nen Unterschied. Vielleicht braucht es nur ein wenig Mut, denn die Zeit läuft für unterneh-merische Nachhaltigkeit.

Wird es bald faire Wettbewerbsbedingungen für alle geben?

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Unternehmerische Nachhaltigkeit durch faire Wettbewerbsbe-dingungen zur Normalität zu machen, ist die Aufgabe von Politik und Gesellschaft. Sie könn-ten dafür sorgen, dass nicht nachhaltiges Wirtschaften unrentabel wird. Leider ist dieses Szenario noch nicht Realität. Aber zumindest im Einkauf von Unternehmen werden die Richtlinien mehr und mehr auf Nachhaltigkeit getrimmt. Solo-Selbstständige haben die Chance, diesen Prozess zu beschleunigen.

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