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Klar, Stress kennen wir alle. Vielleicht spielst Du diesbezüglich sogar in der Profiliga. Umso wichtiger ist es zu verstehen, was da eigentlich genau im Körper passiert. Wie geht Stress und was macht ihn so gefährlich? Oder ist er das vielleicht gar nicht?

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Stress – eigentlich ganz schön clever

Was wir heute Stress nennen, ist eigentlich ein urzeitlicher Überlebensmechanismus. Registriert unser Gehirn Gefahr, stößt es unterschiedliche Mechanismen an, die unser Überleben sichern sollen. Indem wir wachsamer werden, unsere Muskeln leistungsfähiger und unsere Sinne schärfer. Insgesamt eine sehr clevere Einrichtung der Natur.

Die Gefahren unserer Zeit

Das Gehirn des Höhlenmenschen hat beispielsweise beim Anblick eines Höhlenbären auf Gefahr geschaltet. Oder bei anderen Bedrohungen für Leib und Leben. Unsere Neuzeithirne registrieren eher andere Gefahren: nervige Kund:innen. Zeitdruck. Den oder die schleichende Autofahrer:in vor uns. Versagensangst. Den Berg unerledigter Arbeit auf unserem Tisch. Unlösbare Probleme wie Klimawandel, Naturkatastrophen oder Kriege.

Gefahr ist Gefahr

Das Gehirn macht also quasi keinen Unterschied zwischen Bär und Feierabendverkehr. Es erkennt die Situation als Gefahr und tut, womit es den Menschen seit Jahrtausenden das Leben rettet: Es startet das Stressprogramm.

Das Stressprogramm – alles auf Leistung

Das Stressprogramm läuft etwa so ab: Die Gefahrenmeldung vom Gehirn aktiviert direkt den Sympathikus. Dieser Zweig des vegetativen Nervensystems stellt den Körper auf Aktivität ein. Gleichzeitig wird die Ausschüttung einer ganzen Kaskade von Hormonen eingeleitet, insbesondere Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol aus den Nebennieren.

Mit diesem „Cocktail“ wird dein ganzer Körper auf Leistung geschaltet:

  • Dein Atem beschleunigt sich.
  • Dein Herzschlag und Blutdruck steigen.
  • Deine Muskelspannung erhöht sich. Zittern, nervöse Beine oder Zähneknirschen können auftreten.
  • Deine Leber produziert mehr Blutzucker, um die Muskelzellen besser zu versorgen.
  • Deine Adern weiten sich, um deine Muskeln besser zu durchbluten.
  • Deine Milz produziert schneller rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport zu den Muskeln.
  • Deine Blutgerinnung wird beschleunigt für den Fall eines Blutverlustes.
  • Für Kampf oder Flucht unwichtige Funktionen werden zurückgefahren, wie beispielsweise Verdauung oder Sexualfunktionen.

Das Problem: Der Energiestau

Zurück zum Höhlenmenschen. Der konnte diese Extraportion Energie nutzen, um dem Bären erfolgreich zu entfliehen oder ihn zu bekämpfen. Er hat also die freigesetzte Energie körperlich abgebaut. Und wir? Wir fühlen uns wie Popeye nach einer Tonne Spinat und tuckern unter akuter Explosionsgefahr durch den Feierabendverkehr. Von dort aus geht es im sarkastischen Idealfall ungebremst an den Esstisch (wir erinnern uns an das Zurückfahren der Verdauungsfunktionen) und mehr oder weniger direkt ins geliebte Netflix-Universum, wo unser Gehirn noch ein wenig mit Spannung, Mord und Totschlag versorgt wird. Danach dann ab ins Bett, wo wir uns stundenlang fragen, warum wir schon wieder nicht einschlafen und auch noch so einen Stein im Bauch haben.

Das Problem wird sicher auch ohne humorige Überzeichnung klar: Im Gegensatz zum Höhlenmenschen verbleibt bei uns die gesamte Energie und Anspannung im Körper.

Zu viel des Guten ist eben auch Mist

Keine Frage, gegen etwas Stress hier und dort ist nichts einzuwenden. Das kann uns sogar richtig guttun. Legen wir allerdings immer wieder nach und kommen in Dauerstress, kann es sogar gefährlich werden. Schauen wir uns einige der „guten“ Maßnahmen zur Leistungssteigerung einmal im Dauerbetrieb an:

  • Gesteigerter Puls und Blutdruck -> sind ein Kraftakt fürs Herz und schaden auf Dauer deinem gesamten Herz-Kreislaufsystem. Hörsturz und Tinnitus können die Folge sein oder auch „nur“ die Einnahme von Blutdrucksenkern.  
  • Erhöhte Muskelspannung -> kann zu schmerzhaften Verspannungen und Fehlhaltungen führen, zu nervösen Beinen, die dich am Einschlafen hindern oder auch zum Zähneknirschen, was sowohl deinen Zahnschmelz, als auch deine Kiefermuskulatur überlastet.
  • Gesteigerte Blutzuckerproduktion -> für diese sogenannte Gluconeogenese benötigt die Leber Eiweiße, die sie sich am einfachsten und schnellsten aus den Muskeln holt, vorzugsweise aus dem großen Rückenmuskel. Das kann zu Muskelabbau und Rückenschmerzen führen. Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel wiederum kann in Diabetes münden.
  • Reduktion von Verdauung und Sexualfunktionen -> ob letzteres in deinem Sinne ist, musst du selbst entscheiden; für die Verdauung bedeutet es jedenfalls die Verlagerung der Arbeit in die Nacht. Der Körper ist dann so mit Verdauen beschäftigt, dass er leider nicht mehr zu seinen eigentlichen nächtlichen Aufgaben kommt: regenerieren und reparieren. Wir wachen wie gerädert auf und beginnen den neuen Tag weniger fit und gesund als gestern.
  • Dauerhaft hoher Kortisolspiegel -> für den Bau von Kortisol verwendet die Nebenniere bestimmte Baustoffe, die dann zur Herstellung anderer Hormone fehlen. So kommt der gesamte Hormonhaushalt durcheinander. Außerdem kann die Nebenniere mit der Zeit erschöpfen, was zu unterschiedlichsten Erschöpfungssyndromen und chronischen Erkrankungen führen kann.

Schaut man sich diese Liste so an, wird einem erst mal schlecht. Dabei ist sie bei weitem nicht abschließend. Die gute Nachricht: Stress ist keine Naturgewalt, der du einfach so ausgeliefert bist. Du hast Dein persönliches Stresslevel selbst in der Hand. Anpacken lohnt sich.

Die Lösung: Ein Dreigespann

Analytisch betrachtet gibt es drei Ansätze, deine persönliche Stressbelastung zu reduzieren:

  • Stress gezielt vermeiden
    Sorge dafür, dass weniger neuer Stress in dir erzeugt wird. Das funktioniert über die Identifikation und Reduktion sogenannter Stressoren, also Auslöser für Stress.
  • Richtig mit Stress umgehen
    Einige Stressoren entziehen sich deinem Einfluss. Du darfst also lernen, besser auf diese Auslöser zu reagieren und bewusst mit Stress umzugehen.
  • Stress aktiv abbauen
    Ganz ohne Stress geht es nicht. Und das ist auch gar nicht schlimm. Wichtig ist nur, den Stress auch wieder loszuwerden.

Diese Ansätze sind gleichwertig wichtig und funktionieren nur in Kombination.  

Wissen macht handlungsfähig

Meiner Erfahrung nach wissen die meisten Menschen wenig bis gar nichts darüber, wie Stress eigentlich genau auf Körper und Gesundheit wirkt. Mit dem Wissen wächst in der Regel auch das eigene Bedürfnis, etwas zu verändern. Diese ganze Stresskaskade positiv zu beeinflussen. Machen. Jetzt!

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