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Einige Solo-Selbstständige verkaufen sich unter Wert – insbesondere zu Beginn ihrer Karriere. Dabei übersehen sie nicht nur, welchen Wert ihre Leistung und ihre Expertise haben, sondern auch welche Kosten sie decken müssen. Schau dir an, welche Faktoren du für eine gute Kalkulation brauchst.

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Stundensätze berechnen: In 3 Schritten zum realistischen Preis

Egal ob du Freelancer:in oder Solo-Selbstständige:r bist, wir zeigen dir einfach und übersichtlich, wie du deinen optimalen Stundensatz berechnen kannst.

Info

Stundensatz­berechnung: Die Bedeutung für dein Business

Mit der Stundensatzberechnung kannst du den Preis einer Arbeitsstunde kalkulieren – unabhängig von deiner Branche. Dieses einfache Verfahren hilft dir, einen Stundensatz zu ermitteln, der nicht nur alle Kosten, sondern auch Rabatte und Gewinnerwartung berücksichtigt. Die Kalkulation deines Stundensatzes (z. B. in Excel) ist eine solide Basis für deine Auftragskalkulation. Das ist wichtig, damit du in deinem Business gewinnorientiert arbeiten kannst.

Um als Solo-Selbstständige:r zu einem realistischen Stundensatz zu gelangen, musst du eine ganze Reihe von Faktoren bedenken. Gerade für Freiberufler:innen und alle anderen Solo-Selbstständigen ist es von Anfang an enorm wichtig, ihren Stundensatz oder Stundenkostensatz zu berechnen.

Beantworte dafür folgende Fragen:

  • Welche Fixkosten gibt es?
  • Wie hoch ist deine Produktivität?
  • Welche betrieblichen Kosten hast du?
Definition

Was ist der Stundenver­rechnungs­satz und wie ermittelst du ihn?

Der Stundenverrechnungssatz ist nicht gleichzusetzen mit deinem Stundenverdienst! Um den Stundenverrechnungssatz zu berechnen, musst du Folgendes wissen:

Er setzt sich aus den Lohnnebenkosten, den Gemeinkosten, deinem Stundenlohn und der Umsatzsteuer zusammen. Da du keine Mitarbeitenden hast, ist er für dich weniger interessant, sondern eher für Unternehmen eine relevante Größe.

Formeln für den Stundenverrechnungssatz und komplette Stundenverrechnungssatz-Rechner findest du im Internet.

Stundensatz berechnen Schritt 1: Bestimme deine Fixkosten

Wichtig ist, dass du nicht nur deine Betriebsausgaben betrachtest, sondern auch deine privaten Kosten. Denn diese müssen ebenfalls von deinem Honorar gedeckt werden.

1. Bruttoeinkommen

Überlege dir zuerst dein gewünschtes und natürlich realistisches Bruttoeinkommen. Achtung: Brutto! Du musst also noch die Einkommensteuer, die du zahlen musst, im Blick haben.

2. Sozialversicherung

Dann kommen die Kosten für die Sozialversicherung dazu:

3. Berufsunfähigskeitsversicherung

Wenn du dir die Statistiken ansiehst, erkennst du schnell, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung eine der wichtigsten Versicherungen für Selbstständige ist. Wenn du also eine abgeschlossen hast, nimmst du diesen Posten auch mit auf.

4. Weitere Versicherungen

z. B.Haftpflichtversicherung etc.

5. Altersvorsorge

Berücksichtige eine Altersvorsorge von zum Beispiel 10 %. Das erscheint dir viel? Diesen Mindestbeitrag solltest aber du auf jeden Fall zurücklegen, auch wenn es aktuell weh tut. Im Alter wirst du dir selbst dankbar dafür sein. Hilfreiche Infos und Tipps zum Thema Altersvorsorge für Selbstständige findest du in unserem Beitrag.

6. Mietkosten für Wohnung, Haus und Büro (falls du eins hast)

Wenn du zu Hause arbeitest, fallen keine zusätzlichen Mietkosten fürs Büro an und du kannst dein Arbeitszimmer absetzen.

7. Kosten für Mitgliedschaften

z. B. für die IHK

8. Finanzierungskosten

z. B. Zinsen für einen Kredit

9. Monatliche Gebühren

z. B. für Hosting oder Software

Stundensatz berechnen Schritt 2: Liste deine variablen Kosten auf

Die Höhe der variablen Betriebsausgaben ist je nach Branche natürlich unterschiedlich. So haben beispielsweise Handwerker:innen mehr Kosten als Autor:innen, die mit einem einfachen Laptop auskommen und keine laufenden Produktions- und Materialkosten haben. Hier einige variable Kosten, die du bei deiner Kalkulation berücksichtigen bzw. einplanen solltest:

  1. Marketingkosten
  2. Verwaltungskosten: Dazu zählen die Buchhaltung an sich sowie unterstützende Buchhaltungssoftware, aber auch Papierkram wie Briefumschläge, Briefmarken, Papier usw. kannst du hier mit einbeziehen.
  3. Kosten für betriebliche Steuern: zum Beispiel für die Gewerbesteuer
  4. Weiterbildungskosten
  5. Kosten für Lieferanten
  6. Hast du noch offene Finanzierungskosten
  7. Kosten für Werkzeuge oder sonstiges Arbeitsmaterial
  8. Deine Lebenshaltungskosten
Tipp

Viele unterschätzen, wie viel sie mit der Selbstständigkeit überhaupt verdienen müssen, um davon gut leben zu können. Setze daher die Kosten lieber zu hoch als zu niedrig an.

Stundensatz berechnen Schritt 3: Ermittle deine Produktivität

1. Urlaub und Feiertage

Berechne die Anzahl der Feiertage und deiner Urlaubstage für den angesetzten Zeitraum (z. B. ein Jahr oder ein Quartal). Bedenke dabei, dass du als Solo-Selbstständige:r oft beim Urlaub zurücksteckst – insbesondere am Anfang.

2. Krankheit

Auch hier solltest du wieder den Wert etwas pessimistischer ansetzen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

3. Weiterbildung

Nun kommt ein wichtiger Punkt, den viele Selbstständige vergessen: Weiterbildung. Überlege dir, wie viel Zeit du in dieses Thema steckst.

Tipp

Vor allem als Dienstleister:in ist es wichtig, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, damit du langfristig erstklassige Leistungen anbieten kannst. Weiterbildung sollte deshalb fix zu deiner Planung für das Jahr bzw. das Quartal gehören!

4. Auslastung

Weiter geht’s mit deiner Auslastung. Denn: Egal wie motiviert du bist – du kannst nicht an 365 Tagen arbeiten und selbst wenn du das wolltest, bist du natürlich auch nicht immer voll ausgelastet.

Auch wenn du genug Kund:innen hast, musst du dich immer noch um diverse organisatorische, betriebswirtschaftliche und buchhalterische Themen kümmern. Und die kosten dich ebenfalls Zeit.

Was ist also eine realistische Auslastung?

Info

Wundere dich nicht: Die Zahl der tatsächlich produktiven Tage ist meist überraschend klein!

Du wirst nie zu 100 % ausgelastet sein. Wenn du schon einen bestehenden Kundenstamm oder ein gutes Netzwerk in der Branche hast, ist ein Wert von 70 % realistisch.

Wenn du bisher in einem Unternehmen Angestellte:r warst und komplett von Null in deine Selbstständigkeit gestartet bist, solltest du eher von 50 % ausgehen.

So erhältst du die Tage, an denen du tatsächlich produktiv arbeiten und damit Geld verdienen kannst.

Diese Arbeitstage bilden die Grundlage für die Ermittlung deines Stundensatzes.

Netto-Stundensatz berechnen

Du hast jetzt alle wichtigen Posten auf deiner Liste. Nun kannst du zunächst deinen Mindeststundensatz und auf Basis dessen deinen optimalen Netto-Stundensatz berechnen.

Mindeststundensatz

In Schritt 3 hast du die Anzahl Tage pro Monat errechnet, die du produktiv auf Rechnung arbeiten kannst. Damit kannst du deinen Mindeststundensatz berechnen. Also den Stundensatz, den du mindestens erhalten musst, um alle deine Kosten zu decken. Die Formel dafür lautet:

Kosten / Arbeitszeit = Stundensatz

Optimaler Stundensatz mit Gewinnmarge

Im Normalfall willst du mit deinem Business nicht nur deine Kosten decken, sondern auch Gewinn machen und einen Puffer aufbauen, um Rücklagen zu bilden. Wie viel das sein soll, kannst du selbst bestimmen. Addiere diesen Betrag auf deinen Mindeststundensatz. Und – voilà – jetzt hast du deinen Netto-Stundensatz errechnet!

Tipp

Am einfachsten nutzt du Excel, um deinen Stundensatz zu berechnen. Im Netz findest du Stundensatz-Rechner und Excel-Vorlagen, die dir bei der Kalkulation helfen!

Vergleiche deinen Stundensatz mit anderen!

Jetzt, wo du fertig bist, solltest du eine Sache noch tun: Vergleiche deinen Stundensatz mit deinen Mitbewerber:innen. So kannst du sicherstellen, dass du nicht total aus dem Rahmen fällst. Weder in die eine noch in die andere Richtung.

Achtung

Wenn du zum Beispiel viel teurer bist als deine direkten Mitbewerber:innen, dann reicht es nicht einfach, den Preis herunterzusetzen. In diesem Fall musst du dir ernsthafte Gedanken um deine Kostenstruktur oder deine Erwartungen machen!

Zusammenfassung

Stundensatz berechnen zusammengefasst

  • Möchtest du den perfekten Preis für die eigene Dienstleistung herausfinden, kannst du ihn grob aus den Bauch raus festlegen oder einfach das verlangen, was die anderen verlangen.
  • Damit dein Business erfolgreich ist und du davon leben kannst, ist es sinnvoll, strukturiert vorzugehen.
  • Gerade weil du als Solo-Selbstständige:r keine planbare 40-Stunden-Woche hast, ist es umso wichtiger, einen realistischen Stundensatz zu berechnen.
  • So weißt du, welchen Verdienst du für deinen berechneten Stundensatz erwarten kannst.
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