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Welche Steuern gelten für Selbstständige und Frei­beruf­ler:innen?

Beim Thema „Steuern für Selbstständige“ prasseln die unterschiedlichsten Begriffe auf dich ein und in deinem Kopf ist ein großes Fragezeichen. Du fragst dich, welche Steuern du eigentlich wann und wie zahlen musst. lexfree bringt für dich Licht ins Steuer-Dunkel.

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Welche Formen der Selbstständigkeit gibt es?

Bevor wir dir erklären, welche Steuern Selbstständige betreffen, wollen wir noch einmal einen kurzen Blick auf die verschiedenen Formen der Selbstständigkeit werfen. Dies soll die Fragen beantworten: Welche Steuerarten gelten für wen und was trifft letztlich auf dich zu? Manche Steuerformen sind vom Hintergrund her genau das Gleiche, heißen aber anders, weil sie für eine andere Art der Selbstständigkeit gelten.

Freiberufler:innen:

  • geistig-schöpferische Arbeiten
  • künstlerische, schriftstellerische, wissenschaftliche, beratende, unterrichtende oder erziehende Berufe
  • medizinische Berufe: Ärzt:innen, Heilpraktiker:innen, Physiotherapeut:innen, o.ä.
  • juristische Berufe: Anwält:innen, Notar:innen usw.
  • Ingenieur:innen, Steuerberater:innen, Architekt:innen

Gewerbetreibende:

  • Es muss eine selbstständige Tätigkeit sein
  • Es muss eine Absicht der Gewinnerzielung bestehen
  • Die Tätigkeit muss auf Dauer angelegt sein
Info

Hier ein paar Beispiele:

  • Gastronomiebetreibende
  • Ladenbesitzer:innen
  • selbstständige Handwerker:innen

Personengesellschaften:

  • Vereinigung mehrerer Personen zu einem gemeinsamen Unternehmen
  • Gesellschafter:innen haften persönlich und unbeschränkt
  • sind rechtlich nicht selbstständig
Info

Rechtsformen:

  • GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts
  • OHG – Offene Handelsgesellschaft
  • KG – Kommanditgesellschaft
  • PartG - Partnergesellschaft

Kapitalgesellschaften:

  • Zusammenschluss mehrerer Personen, die bereits eine anerkannte rechtliche Selbstständigkeit mitbringen
  • dürfen als juristische Person unter dem Firmennamen klagen oder verklagt werden, d.h. sie ist juristisch selbstständig
  • müssen nur eingeschränkt haften
Info

Rechtsformen:

  • GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung
  • UG – Unternehmergesellschaft
  • AG – Aktiengesellschaft
  • KGaA – Kommanditgesellschaft auf Aktie

Einkommensteuer für Selbstständige

Nun kommen wir zu den Steuern. Die erste und wichtigste ist natürlich die Einkommensteuer. Sobald du in Deutschland Geld verdienst, wird dieses Einkommen besteuert. Für den Lohn, den ein:e Arbeitgeber:in an eine:n Arbeitnehmer:in zahlt, ist die sogenannte Lohnsteuer zu zahlen. Jedoch gilt diese nicht für Selbstständige. Der Grund: Da du als Selbstständige:r ja keinem bzw. keiner Arbeitgeber:in unterliegst, sondern dein:e eigene:r Chef:in bist, spricht man von Einkommen und analog von der Einkommensteuer. Diese Steuer für Selbstständige gilt speziell für:

  • Freiberufler:innen
  • Einzelunternehmen mit Gewerbe
  • Personengesellschaften
Die Einkommensteuer wird von deinem Gewinn abgezogen.

Dieser ergibt sich aus deinen Einnahmen abzüglich deiner Betriebsausgaben. Von deinem erwirtschafteten Gewinn werden dann vor der Besteuerung noch Sonderausgaben (z. B. Altersvorsorge-Beiträge) und außergewöhnliche Belastungen (z. B. Krankheitskosten) abgezogen. Vom Rest wird, je nach Höhe deines Einkommens, die Einkommensteuer abgezogen.

Wie hoch ist die Einkommensteuer für Selbstständige?

Der Einkommensteuersatz variiert je nach dem, wie viel du durch deine Selbstständigkeit erwirtschaftest. Der Steuersatz für Selbstständige bewegt sich zwischen 6 % und 42 % abhängig von der Höhe deines Einkommens. Je mehr du verdienst, desto höher ist er.

Tipp

Du profitierst von einem Grundfreibetrag

Bist du ledig und dein Einkommen ist geringer als 9.408 € (Grundfreibetrag) im Jahr, wird dir keine Einkommensteuer abgezogen und du bist steuerfrei. Wenn du verheiratet bist, liegt für dich der Steuerfreibetrag bei 18.816 € im Jahr.

Wenn dein Einkommen über dem Grundfreibetrag liegt, profitierst du natürlich auch: Es wird zunächst der Grundfreibetrag von deinem Gesamteinkommen abgezogen. Auf den Restbetrag musst du dann Steuern zahlen.

Da Selbstständige Einkommensteuer zahlen und keine Lohnsteuer, gibt es für Selbstständige keine Lohnsteuerklassen. Wenn du als Selbstständige:r also in keine Steuerklasse fällst, kann dein Ehemann deine Ehefrau aber trotzdem zum Beispiel die Steuerklasse 3 oder 4 wählen.

Achtung

Auch die Kirchensteuer gilt für Selbstständige

Diese wird im Zuge der Einkommensteuer verrechnet und beträgt in Bayern und Baden-Württemberg 8 %, in allen anderen Bundesländern 9 %.

Einkommensteuer für Personengesellschaften

Bei der Einkommensteuer von Personengesellschaften werden die einzelnen Gesellschafter:innen betrachtet. Diese müssen ihren anteiligen Gewinn individuell in ihrer persönlichen Einkommensteuer angeben. Je höher die Einnahmen der Personengesellschaft, desto höher sind die zu zahlenden Steuern.

Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer kannst du dir auch als „Einkommensteuer für Kapitalgesellschaften“ merken. Es ist also eine besondere Form der Steuern für Selbstständige. Was für dich als Einzelunternehmer:in „Einkommensteuer“ heißt, wird bei Kapitalgesellschaften unter dem Begriff „Körperschaftsteuer“ geführt. Sie liegt pauschal bei 15 % des zu versteuernden Einkommens. Mit dem zusätzlichen Solidaritätszuschlag von 5,5 % ergeben sich insgesamt 15,825 %. Hier gibt es keinen Freibetrag.

Der Solidaritätszuschlag: Was ist das, wie hoch ist er und wer muss ihn zahlen?

Beim Solidaritätszuschlag handelt es sich um eine zusätzliche Abgabe an den Bund, die Steuerzahler in Deutschland leisten müssen. Dieser „Soli“ wurde 1991 nach der deutschen Wiedervereinigung eingeführt, um den Aufbau der deutschen Einheit und der neuen Bundesländer zu finanzieren. Ursprünglich war dieser Beitrag auf ein Jahr ausgelegt. Nach einer Pause in den Jahren 1993 und 1994 wurde der Soli seit 1995 weitergeführt.

Am 01.01.2021 wurde dieser Zuschlag weitgehend abgeschafft.

Die Abschaffung bedeutet eine finanzielle Entlastung für Angestellte, Selbstständige, kleine Unternehmen und Personengesellschaften. Für Bruttojahreseinkommen in folgender Höhe bedeutet das:

Brutto-Jahreseinkommen
Solidaritätszuschlag ab 2021
Bis 73.000 € (Alleinstehende) bzw. 151.000 € (Verheiratete)
Entfällt vollständig
Von 73.000 € - 109.000 € bzw. 151.000 € - 221.000 €
Entfällt teilweise (Milderungszone)
Mehr als 109.000 € bzw. 221.000 €
Soli muss in 2021 noch vollständig gezahlt werden

Umsatzsteuer für Selbstständige

Alle Selbstständigen müssen ab einem bestimmten Jahresumsatz Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Und zwar immer dann, wenn du Produkte verkaufst oder eine Dienstleistung anbietest. Um in Deutschland die Umsatzsteuer zu berechnen, verwendest du den für deine Produkte oder Dienstleistungen relevanten Steuersatz von entweder 19 % oder 7 %.

Umsatzsteuerpflicht für dein Unternehmen besteht dann, wenn du im laufenden Geschäftsjahr mehr als 50.000 Euro Umsatz machst und im Vorjahr mehr als 22.000 Euro Umsatz erwirtschaftet hast. Bist du als Selbstständige:r umsatzsteuerpflichtig, gilt für dich der Vorsteuerabzug: Für alle Betriebsausgaben, die als Investitionen für dein Unternehmen anfallen, kannst du dir die Vorsteuer vom Finanzamt zurückholen.

Tipp

Als Kleinunternehmer bist du von der Umsatzsteuerpflicht befreit

Erwirtschaftest du im laufenden Geschäftsjahr weniger als 50.000 Euro und hast im Vorjahr weniger als 22.000 Euro erwirtschaftet, gilt für dich die Kleinunternehmerregelung. Dann musst du deine Produkte nicht mit Umsatzsteuer berechnen.

Gewerbesteuer für Selbstständige

Die Gewerbesteuer trifft nicht auf alle Selbstständigen zu. Nur wenn deine selbstständige Tätigkeit als Gewerbe gilt, musst du diese beim Gewerbeamt anmelden und somit Gewerbesteuern zahlen. Eine Gewerbeanmeldung gilt für Gewerbetreibende, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.

Freiberufler:innen müssen sich nicht beim Gewerbeamt melden und zahlen daher auch keine Gewerbesteuer.

Freibetrag

Ob du als Einzelunternehmer:in Gewerbesteuer zahlen musst, richtet sich nach dem Freibetrag. Verdienst du mit deinem Gewerbe im Jahr weniger als 24.500 Euro (= „Gewerbeertrag“), musst du keine Gewerbesteuer zahlen. Erst ab einem Gewerbeertrag, der höher als der genannte Freibetrag ist, unterliegst du der Gewerbesteuerpflicht.

Ein Beispiel:

Beläuft sich dein Gewerbeertrag z. B. auf 47.500 Euro, wird hiervon der Freibetrag von 24.500 Euro abgezogen. Der Betrag, der sich daraus ergibt (in diesem Fall 23.000 Euro), wird bereinigter Gewerbeertrag genannt. Hiervon wird vom Finanzamt ein Steuersatz von 3,5 % abgezogen. Zusätzlich wird bei der Verrechnung der Gewerbesteuer ein Hebesatz für dein Gewerbe abgezogen. Dieser variiert jedoch je nach Standort und wird von der jeweiligen Gemeinde individuell festgelegt.

Tipp

Ausführliche Infos zu den Steuerfreibeträgen findest du in unserem Beitrag Steuerfreibeträge für Selbstständige.

Zusammenfassung

Steuern für Selbstständige zusammengefasst

  • Steuern für Selbstständige müssen genau definiert werden: Nicht jeder zahlt das Gleiche.
  • Die Steuern richten sich nach der Rechtsform deiner Selbstständigkeit.
  • Einkommensteuer müssen alle Soloselbstständigen zahlen. Bei Kapitalgesellschaften heißt diese Steuer Körperschaftsteuer.
  • Die Kapitalertragsteuer bezieht sich auf Geldanlagen, die eine besondere Art des Einkommens sind.
  • Umsatzsteuer gilt für alle, außer für Kleinunternehmer:innen und medizinische Berufe.
  • Die Gewerbesteuer gilt nur für Gewerbetreibende, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften.
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