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„Solo-Selbst­ständige sollten ihre wirtschaft­liche Lage im Blick haben“ – Interview mit Björn Waide

Einzelunternehmer:innen sollten ihre Steuererklärung selbst machen und nicht an die Steuerberater:in delegieren, meint Björn Waide, Geschäftsführer von Haufe-Lexware. Schon, um den Überblick über das eigene Unternehmen zu behalten. Mithilfe vieler gängiger Steuerprogramme sei das auch kein Hexenwerk. Und Angst müsse niemand davor haben.

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lexfree: Hallo Björn, ich würde mich total gern selbständig machen. Das Einzige, wovor ich Bammel habe, ist das Thema Steuern. Zurecht?

Björn: Um Gottes Willen! Wenn Steuern dich davon abhalten, dich selbständig zu machen, dann hast du vielleicht noch ein anderes Thema als nur Steuern. Auf Solo-Selbständige warten schwierigere Herausforderungen. Zweifellos gibt es immer mal wieder Situationen und Aspekte, bei denen man Leute um Rat fragen sollte – aber so ist das im Leben, dafür gibt es Expert:innen. Doch das sollte niemanden davon abhalten, sich selbständig zu machen.

lexfree: Du hast es gerade angesprochen: Es gibt Momente, in denen der Rat von Expert:innen gefragt ist. Brauche ich aber generell eine Steuerberatung oder kann ich das Thema auch selbst angehen?

Björn: Steuerberater:innen heißen aus gutem Grund Steuerberater:innen und nicht Steuererklärer:innen. So wie Unternehmensberater:innen haben auch sie im Leben eine:r Unternehmer:in eine wichtige Funktion – nämlich dann, wenn es um individuelle Beratung bei selten vorkommenden Ereignissen geht. Das kann die Gründung sein, das kann die Frage der Finanzierung sein – immer da ist es wichtig und ratsam, ein:e Steuerberater:in hinzuzuziehen. Aber niemand sollte sich abhängig machen von einer Steuerberatung. Und wer seine Steuererklärung selber macht, hat einen Überblick über die finanzielle und wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Die Verantwortung dafür sollte niemand komplett nach außen delegieren.

lexfree: Ist das jetzt ein Plädoyer dafür, die Steuererklärung selbst zu machen?

Björn: Die Steuererklärung ist immer ein guter Moment, sich mindestens einmal im Jahr mit der privaten und unternehmerischen Bilanz zu beschäftigen. Und sie ist wirklich kein Hexenwerk. Deshalb, ja, plädiere ich dafür, mindestens dieses eine Mal zu nutzen, um sich selber einen Überblick zu verschaffen und zu rekapitulieren, wie es um das eigene Unternehmen steht. Unsere Zahlen bei smartsteuer zeigen es ganz klar: Etwa ein Drittel macht alles selber, ein weiteres Drittel sucht zumindest Hilfe beim Jahresabschluss und ein weiteres Drittel macht auch monatliche Dinge wie Umsatzsteuervoranmeldung oder das Buchen von Belegen gemeinsam mit einer Steuerkanzlei. Die Zahlen zeigen also: Solo-Selbständige können das selbst.  

lexfree: Es gibt viele Programme, mit denen Menschen ihre Steuererklärung machen können. Sind die alle für Einzelunternehmer:innen und deren Anforderungen geeignet?

Björn: Nein. Nicht jedes Programm ist geeignet, dazu ist die Komplexität der Steuererklärung von Solo-Selbständigen dann doch zu groß. Es gibt ja nicht nur unterschiedliche Anbieter, sondern viele Anbieter haben unterschiedliche Versionen und Varianten von Steuerprogrammen im Portfolio. Nicht jede kann man nehmen. Eine 5-Euro-Steuererklärung vom Grabbeltisch wird sicher nicht reichen. Auch die vielen App-Angebote am Markt ¬– auch unser eigenes –¬ sind dafür nicht gedacht. Einnahmen-Überschuss-Rechnung können eben nicht alle Programme, die sich vor allem an Angestellte richten. Die speziellen Anforderungen von Einzelunternehmer:innen unterstützt nicht jedes Programm, und auch die, die es können, tun es unterschiedlich gut. Bei einigen muss man alles manuell eintippen, andere haben Schnittstellen zu Buchhaltungsprogrammen oder können Daten direkt vom Finanzamt abrufen. Darauf sollten Solo-Selbständige bei der Auswahl achten.

lexfree: Viele Programme führen die Nutzer:innen mithilfe von Interviews durch die Erklärung. Sind diese Assistenzen auf Einzelunternehmen auslegt?

Björn: Wir waren mit smartsteuer die Ersten am Markt, die das online angeboten haben, glaube ich. Andere Programme, die man sich installieren muss, hatten das schon vorher, aber eben lokal, wir haben es online möglich gemacht. Und wir unterstützen komplexere Fälle wie Solo-Selbständige in steigendem Umfang. Wir kooperieren zum Beispiel auch mit lexoffice. Wer seine Buchhaltung damit macht, kann alle Daten einmal im Jahr per Knopfdruck in die Steuererklärung importieren. Andere bieten zum Teil ähnliche Schnittstellen und Assistenzsysteme, sodass Nutzer:innen in der Regel ganz gut durch die Steuererklärung geführt werden.

lexfree: Letzte Frage: Sollte man am Ende vorm Abschicken den oder die Steuerberater:in noch einmal über die Erklärung drüber schauen lassen?

Björn: Wenn ich keine konkrete Rückfrage zu einem bestimmten Problem habe, hat das keinen Sinn. Ich fürchte, auch die Steuerberater:in wird davon nicht viel halten. Denn sie kennt ja die ganzen Daten, die dem zugrunde liegen, gar nicht. Als Einzelunternehmer:in habe ich gar nichts gewonnen, wenn ich mir die ganze Arbeit mit der Steuererklärung mache, nur um dann den Steuerberater oder die Steuerberaterin dafür zu bezahlen, dass er oder sie das alles noch einmal macht. Deshalb: Wenn allein, dann ganz allein. Außer ich habe eben eine ganz konkrete Frage zu einem bestimmten Thema. Dann gilt: Für individuelle Problembehandlung immer zur Steuerberatung.

Info

Björn Waide

Björn Waide beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Steuern und Steuererklärung für Privatleute und Unternehmer:innen. Er ist Geschäftsführer von Haufe-Lexware und war jahrelang der CEO von smartsteuer. Das Unternehmen bietet ein webbasiertes Steuererklärungsprogramm. Es gehört seit einigen Jahren zur Haufe Group.

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