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Ein Termin im Frisörsalon heißt normalerweise Waschen, Schneiden, Styling. Kund:innen, die bei Rebecca Medicke einen Termin buchen, dürfen etwas ganz anderes erwarten: ein komplettes Haar Coaching. Rebecca hat ihren Damensalon „Stories. Hair & Make-up“ in den letzten Monaten immer mehr ins Internet verlegt – und dadurch eine Menge Neukunden gewonnen. Wir haben sie dazu näher befragt.

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lexfree: Du bist nicht nur Friseurmeisterin, du bist Hair Coachin. Ein Termin bei dir – wie läuft das ab? 

Rebecca: Als Allererstes kommt eine Haaranalyse, um rauszukriegen, wie es Haaren und Kopfhaut geht. Dafür lasse ich mir per WhatsApp ein Foto vom Hinterkopf zusenden. Sind die Haare zu kaputt, bitte ich den oder die Kund:in, vorab mit mir eine Pflegeberatung zu machen. Im Salon sehen wir uns  erst vier bis sechs Wochen später. 

lexfree: Was beinhaltet das Coaching bei dir noch so alles? 

Rebecca: In erster Linie natürlich mal Pflegetipps – abgestimmt auf deine Haare. Aber auch  Ernährungstipps, die quasi von innen wirken. Es gibt natürliche Möglichkeiten, wie man Hormone im Körper wieder fördern kann. Denn die Haardrüsen sind eng mit dem Hormonhaushalt verbunden.  

lexfree: Wie wird man Hair Coach:in – ist das eine spezielle Ausbildung? 

Rebecca: Nein, das gibt es so auch nicht. Man hat das Thema Kopf- und Haarpflege ein Jahr in der Ausbildung und das war's. Ich habe viele Seminare besucht, mich selbst geschult. Demnächst strebe ich eine Ausbildung als Heilpraktikerin an. Denn die Beschaffenheit der Haare und der Zustand der Kopfhaut sind ja nur das Spiegelbild von innen. Das größte Geheimnis daran: Die Balance im Körper muss stimmen – und das hat ganz, ganz viel mit dem Säure-Basen-Haushalt zu tun. 

lexfree: Gibt es auch einen persönlichen Grund, dass du diesen ganzheitlichen Ansatz zu deinem Geschäftskonzept gemacht hast? 

Rebecca: Ausschlaggebender Punkt war hier eine Kundin, die sehr starken Haarausfall in jungen Jahren hatte. Das hat mich echt beunruhigt. Ich habe sie gebeten, mal zum Arzt zu gehen. Sie schrieb mir dann „Ich habe Krebs“. Haare zeigen einem schon viel früher an, dass was nicht stimmt. Ich möchte den Menschen wirklich helfen und ihnen beibringen, auf sich zu achten. Daher kommt der Übergang zur Ernährung. 

lexfree: Betreust du deine Kund:innen auch über den persönlichen Kontakt im Salon hinaus?

Rebecca: Das mache ich mit viel, viel WhatsApp. Und Instagram. Darüber hol ich die Leute rein und  probier‘, mit denen zu schreiben. Aber man kann so natürlich keine intensive Beratung machen. 

Frisörin Rebecca Medicke im Salon vor Tablet
lexfree: Auf Instagram schöpfst du ja aus dem Vollen. Viele Beiträge, viel Interaktion. War das schon immer so? 

Rebecca: Anfangs lief alles über den Salon. Aber dann hab‘ ich gemerkt, dass die Kund:innen doch manchmal mit der Fülle der Themen und Tipps überfordert waren. Was ja ganz normal ist. Jetzt kann ich nach der Beratung sagen: „Besuch mein Instagram Profil. Da kannste viele Tipps noch mal in Ruhe nachlesen.“ Früher hab‘ ich Riesentexte geschrieben, mit denen die Kund:innen dann auch überfordert waren. Das ist jetzt besser geworden. (lacht) 

lexfree: Ist Instagram heute mehr dein Beratungs-Medium oder dein Akquise-Tool?

Rebecca: Auf Instagram gibt’s erstmal Pflegetipps für alle, die sich dafür interessieren. Von da aus  kann ich Kund:innen dann in die Haarsprechstunde umleiten, damit die für eine Beratung nicht mehr direkt in den Salon kommen müssen. Durch gezieltes Erfragen sämtlicher Eckpunkte kann ich die Beratung also über die Online-Sprechstunde machen. Nach 18 Jahren hab‘ ich soviel Erfahrung, da weiß ich auch, was mit der Kopfhaut los ist, ohne sie anfassen zu müssen.  

lexfree: Seit wieviel Jahren nutzt du Instagram so intensiv für deine Beratung?

Rebecca: Seit 4,5 Jahren. Gefühlt dauerte das zwar ewig, aber irgendwann hat sich die Follower:innenschaft über Riegel am Kaiserstuhl hinaus erweitert. Plötzlich war da Interesse aus Hannover, aus Hamburg. Deswegen hab‘ ich angefangen, mehr „live“ zu gehen. Mit den sogenannten Haircare Days. 

lexfree: Was sind Haircare Days? 

Rebecca: Ich hab‘ halt inzwischen einen guten Kundenstamm, den ich mehr fordern kann und dem ich auch mehr bieten möchte. Zu speziellen Themen wie Feuchtigkeitsaufbau oder Detox. Am Sunday Haircare-Day kann man sich für 15 € einwählen und die Behandlung gleich mitmachen – das Video bekommt man im Nachhinein auch zugeschickt. Ich hab‘ nämlich gemerkt, es kommen doch oft  Fragen auf wie „Auftragen? Wie, wo trag ich das denn genau auf?“ Da hilft es, wenn man das direkt vormacht. 

lexfree: Und wie wär’s mit Videoblogging – so professionell, wie du auch an Instagram rangehst?

Rebecca: Ich hab vor Kurzem mal angefangen, ein YouTube Video zu machen – und muss aber ganz ehrlich sagen: Eigentlich ist es nochmal ein eigener Beruf! Ich weiß noch nicht, ob ich das in  Zukunft hinbekommen würde. Es ist ein Megaaufwand: filmen, einsprechen, schneiden… Da bin ich zeitlich einfach noch zuviel im Salon. Auch eine finanzielle Frage, natürlich. Ich muss mir das leisten können, eine gute Kamera, Stativ, den Schnitt. 

lexfree: Welchen Social Media-Kanal hast du denn am liebsten? 

Rebecca: Uhh, wirklich schwierig. Auf TikTok hab ich viel mehr Follower:innen, was jetzt aber nicht besonders klingen soll. Und ich bin begeistert, dass die Jungen alle meine Tipps so annehmen. Dabei  mach ich da gar nicht so viel. Das hab' ich eher als Funnel gebaut, um sie auf Instagram weiterzuleiten. TikTok muss cool sein, die Sprache dahinter musst du auch umsetzen können. Und wenn ich jetzt 8-9  Stunden gearbeitet habe, danach ‘n TikTok Video mache, dann sieht das nicht mehr cool aus. (lacht) Deshalb konzentriere ich mich momentan noch auf Instagram. 

lexfree: Und wie soll’s mit deinem Salon weitergehen? 

Rebecca: Bin jetzt stark am überlegen, an andere Friseur:innen ranzutreten, die bei mir im Salon geschult werden. Ich werde definitiv an Kund:innen bleiben, aber man muss sich ja nun mal  weiterentwickeln. Wenn man das 18 Jahre lang gemacht hat, dann ist das gar nicht so einfach. Erst war‘s noch: ich halte fest, ich halte fest! Aber jetzt hab‘ ich gemerkt: Ich muss loslassen. Um weiterzugehen. 

lexfree: Du willst Schulungen für Friseur:innen geben? 

Rebecca: Genau. Für externe Friseur:innen, die das Thema dann weitertragen. Ich möchte nicht der Guru  sein. Ich möchte, dass Kund:innen deutschlandweit gesunde Kopfhaut und Haare haben. Dass in Zukunft nicht einfach nur Produkte verkauft werden, sondern dass man in den Ursprung reingeht, sozusagen.  

lexfree: Vielen Dank, dass du uns von dir und deiner Arbeit erzählt hast. So umfassend hab‘ ich Haarpflege noch nie betrachtet. Weiterhin viel Erfolg online und im Salon. 

Rebecca: Danke für Euer Interesse!

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