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Frau hält ein Blatt groß in die KameraIcon Video abspielen
Foto: Mert Guller (Unsplash)

Geht es um Nachhaltigkeit, lautet die Antwort auf die Frage des Philosophen Richard David Precht „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ (Precht, Richard David, 2007): mindestens zwei. Einmal treffen wir täglich Entscheidungen als Privatperson und x-mal in unseren gesellschaftlichen, politischen oder beruflichen Rollen. In diesen Rollen sind wir gefangen und handeln – oftmals wider besseres Wissen – nicht nachhaltig.

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Unsere Entscheidungen bleiben niemals wirkungslos

Machen wir uns zunächst bewusst, dass wir Menschen es sind, die mehr oder weniger vorteilhafte Entscheidungen in Bezug auf Nachhaltigkeit treffen: jeden Tag und in den unterschiedlichsten Rollen – mal große und mal kleine, für uns und für andere. Wir treffen heute Entscheidungen als Geschäftsführer:in, als Führungskraft oder als Mitarbeiter:in, morgen als Eltern für unsere Kinder und übermorgen als Verantwortliche:r in einer Organisation. Auch etwas nicht zu tun, ist eine Entscheidung. Viele dieser Entscheidungen manifestieren unsere Art und Weise zu leben und zu arbeiten. Häufig verschärfen sie die bereits bestehende Disbalancen zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten der Nachhaltigkeit.  

Jeder von uns hat einen Ausredenschrank für nicht nachhaltiges Verhalten

Das Thema Nachhaltigkeit ist in allen Bereichen unseres Lebens immer allgegenwärtiger. Es scheint, als würde dieser Begriff mehr als beliebig genutzt, so, wie es jedem und jeder Einzelnen gerade passt. Solche Vielfalt schafft Raum für Ausreden – und so werden beispielweise nicht nachhaltige Handlungsstrategien kaschiert oder positiver dargestellt als sie tatsächlich sind. Wir nutzen das teilweise sehr unterschiedliche Verständnis von Nachhaltigkeit dafür, uns der Wirklichkeit nicht stellen zu müssen. Außerdem neigen wir dazu, Unangenehmes (un)bewusst zu verdrängen. Dieser Abwehrmechanismus ist gut für unser seelisches Überleben, aber schlecht für unseren Planeten Erde.  

Ängste beeinflussen unsere Entscheidungen nachteilig

Angst ist eine der stärksten Antriebskräfte für menschliches Verhalten. Die Angst, nicht anerkannt zu sein, krank zu werden, keine sozialen Beziehungen eingehen zu können, verfolgt zu werden (aus welchen Gründen auch immer) oder die Sorge, etwas verlieren oder nicht nutzen zu können, leitet unser Handeln. Wenn wir in Angst und Sorge sind, dann verhalten wir uns weniger rational. Wenn wir zum Beispiel Angst um unseren Arbeitsplatz haben und unsere wirtschaftliche Existenz gefährdet sehen, dann haben ökologische und soziale Aspekte nur eine nachgelagerte Priorität.

Nachhaltiges Verhalten und Wirtschaften erfordert Selbstreflexion

Nicht immer ist uns die Tragweite unserer Entscheidungen bewusst. Wirkungszusammenhänge in ökologischen und sozialen Strukturen sind oft hoch komplex. Das führt dazu, dass wir die mit dem nicht nachhaltigen Handeln verbundenen Risiken oft nicht unmittelbar erkennen. Hinzu kommen die vielfach enormen zeitlichen Verzögerungen zwischen einem sozial und ökologisch relevanten Handeln und dessen Konsequenzen. Nachhaltigkeit erfordert deshalb Selbstreflexion und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.  

Menschen werden auch künftig nicht zukunfts-intelligent handeln

Menschen handeln in puncto Nachhaltigkeit oft deshalb, weil sie die aus früheren, nicht nachhaltigen Entscheidungen resultierenden Probleme korrigieren müssen. Sie wissen aber auch, dass ein „immer weiter so“ keine Alternative ist. Dieses Dilemma kann nicht treffender als mit dem Wort „Ambidextrie“ umschrieben werden. Es meint „Beidhändigkeit“ – in diesem Fall also sowohl das Nutzen von Bestehendem als auch das Erkunden von Neuem.  

Jonglieren mit Nachhaltigkeit und „altem“ Geschäft  

Bleiben wir in dem Bild der Beidhändigkeit: Darin jongliert die eine Hand in dem Bestreben, das eigene Verhalten, den eigenen Geschäftsbetrieb und die eigenen Geschäftsmodelle nachhaltiger zu gestalten beziehungsweise schnellstmöglich umzubauen – mit der Konsequenz, im Zweifel auf Bequemlichkeit oder auf Geschäft zu verzichten. Die andere Hand jongliert mit der „alten“ Art und Weise, wie wir leben und arbeiten beziehungsweise wie wir Geschäfte machen. Diese Hand muss mit den Nachhaltigkeitsaspekten umgehen und gegebenenfalls nicht nachhaltige Entscheidungen treffen, um überhaupt ein nachhaltigeres Verhalten und Wirtschaften zu ermöglichen – und das braucht Zeit.  

Raus aus der Zwickmühle – mit einem hohen Maß an Frustrationstoleranz

Solange eine innere Nachhaltigkeit (noch) nicht kulturell bei den Individuen, den Entscheider:innen und in der Organisation verankert ist, bleiben viele Menschen in der Zwickmühle der Ambidextrie stecken. Aus diesem Grund müssen wir einen Perspektivwechsel vollziehen. Wir müssen mit unseren nachhaltigeren Entscheidungen mutig vorangehen und vorbildhaft für unser soziales und berufliches Umfeld agieren – beispielsweise als Solo-Selbstständige:r. Dafür brauchen wir ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Der Lohn dafür ist das gute Gefühl, unseren Beitrag für das Wohlbefinden der Menschen und den Erhalt der Lebensgrundlagen geleistet zu haben.  

„Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Wer einmal damit anfängt, kann schwer wieder damit aufhören“ (Sewalksi, Mimi, 2020). Dieses Zitat von Mimi Sewalski, Soziologin und Geschäftsführerin des Online-Marktplatzes Avocadostore, trifft für mich und meine Art zu leben und zu arbeiten voll zu – auch ich habe meinen Ausredenschrank, er wird aber immer kleiner.

Quellen
  • Precht, Richard David, 2007: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Goldmann Verlag
  • Sewalksi, Mimi, 2020: Nachhaltig leben JETZT, Knesebeck Verlag, München
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