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Du möchtest einen finanziellen Engpass überbrücken? Doch schon bei dem Gedanken, ein Formular auszufüllen, steigt dein Blutdruck? So muss es nicht bleiben.

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Stressfaktor Bürokratie

Sich an Behörden wenden, Anträge ausfüllen, Zuschüsse beantragen, selbst die jährliche Steuererklärung. Für viele Solo-Selbstständige ist es ein Graus, sich durch Texte voller Verweise auf Verordnungen, Paragraphen und Unterparagraphen zu kämpfen – und zu scheitern. Was das Ganze noch schlimmer macht: Für viele Solo-Selbstständige ist es ein Tabu, darüber zu sprechen. Sie sehen es als Eingeständnis der eigenen Schwäche, als ein Zeichen des Versagens. Doch so wird aus einem Tabu ganz schnell vor allem finanziell: eine Katastrophe.

So weit solltest du es nicht kommen lassen. Einen Antrag auf Fördergelder in schwierigen Zeiten zu stellen, ist keine Schande. Und das Eingeständnis, beim Ausfüllen des Antrags Probleme zu haben, ist es auch nicht! Denn es gibt Mittel und Wege, die eigene Schwäche im Umgang mit Behörden zu akzeptieren und trotzdem als Solo-Selbstständige:r erfolgreich zu sein.

Das Eingeständnis von Schwäche ist keine Schande.

Die wichtigste Erkenntnis: Du bist mit Deinem Problem nicht allein. Selbst Professor:innen scheitern daran, Formulare für Fördergelder korrekt auszufüllen. Was zeigt, dass es keine Frage der Intelligenz ist. Doch woran liegt es dann? Eine Form von Leseschwäche vielleicht?

Ich selbst bin auch ein Betroffener. Und es hat lange gedauert, bis ich mich getraut habe, darüber zu sprechen. Als Journalist, dachte ich, sollte ich im Umgang mit Sprache – und sei es die sterile Sprache der Behörden – keine Probleme haben. Doch Scham kann zu einer unüberwindlichen Barriere werden. Was mir letztlich half, über mein Problem, meine Ängste sprechen zu können, war, von Menschen zu hören, denen es ähnlich geht wir mir. Und von ihnen zu lernen, was zu tun ist. Dass es sich lohnt, sich seinen Ängsten zu stellen.

Ängste und Blockaden lassen sich überwinden.

„Es ist ein Phänomen, das noch kaum erforscht ist“, sagt Annette Höinghaus vom Bundesverband Legasthenie. Manchen helfe es, sich Texte vorlesen zu lassen statt sie selbst zu lesen. Bei vielen Internetauftritten ist diese Option inzwischen inklusive. Was auch geht: Texte herauskopieren und von Google vorlesen lassen!

Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es vielleicht eine Version in leichter Sprache. Viele Amtsstuben bieten mittlerweile diese vereinfachten Anleitungen zum Ausfüllen ihrer Formulare online an.

Einen anderen Lösungsansatz bietet Dr. Franz Karig. Der Lerncoach aus Freiburg im Breisgau setzt auf drei Buchstaben: NLP. Das Kürzel steht für Neuro-Linguistisches Programmieren. Dahinter steckt eine Sammlung von Kommunikationstechniken und Methoden, auf mentale Abläufe, wie etwa Ängste oder Blockaden, Einfluss zu nehmen. Franz Karig nennt sie seinen Werkzeugkasten. „Was manche eine Bürokratie-Phobie nennen, könnte eine Reaktion auf schlechte Erfahrungen im Umgang mit Behörden in der Vergangenheit sein“, so Karig. Es komme immer auf den Einzelfall an. In seinem Werkzeugkasten findet sich beispielsweise die „Zeitreise“. Und Franz Karig lädt mich ein, sie gleich mal auszuprobieren.

Zu den Bauchschmerzen gesellt sich Optimismus

Dabei geht es darum, die Emotionen, welche mit der alten Erfahrung verbunden sind, möglichst zu entkräften. Es ist ein Gedankenexperiment, bei dem ich mich abwechselnd vor und nach einem Hindernis, etwa einem Behördengang oder dem Ausfüllen eines Antragsformulars, selbst beobachte. „Wie geht es dir, wenn du dir vorstellst, die Zeit vorspulen zu können und alle Hürden genommen zu haben?“, fragt er mich. Gute Frage, denke ich mir. Und stelle fest, es ist gar nicht so einfach, auf Kommando tief in sich selbst hineinzuhören. Fühlt sich gut an, irgendwie, antworte ich ihm. „Und wenn du jetzt zurück auf Los gehst und das Formular noch einmal vor dir siehst?“ - Es fühlt sich jetzt gar nicht mehr so bedrohlich an, bemerke ich. Und bin selbst überrascht über meine Antwort.

Ich glaube zwar nicht, dass meine Bauchschmerzen vor Behördengängen damit aus der Welt sind, aber ich stelle fest: Schon nach der ersten, kurzen Zeitreise mit Dr. Karig hat sich zu meinen Ängsten ein neues Gefühl hinzugesellt; eines, das ich noch nicht kannte: die Neugierde, ob es mir gelingen wird, das nächste Formular vielleicht etwas lockerer und ganz korrekt auszufüllen.

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