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Foto: Svenja Walter

Echte Verbindungen statt Einbahnstraße: Storytelling-Expertin Svenja Walter im Interview

Wenn Svenja Walter auf Instagram in Stories, Posts, Lives und seit neuestem Reels aus ihrem (Geschäfts-)Leben erzählt, sieht es mühelos und federleicht aus. Dahinter steckt ein Jahrzehnt Blogging-Erfahrung, Storytelling-Expertise und unbedingter Experimentier-Wille. Im Interview gibt sie Social Media-Tipps für Solo-Selbstständige.

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lexfree: Svenja, du beschreibst dich selbst als Bloggerin der ersten Stunde. Was können Solo-Selbstständige heute für ihre Content Creation aus der Anfangszeit des Bloggens lernen?

Svenja: Das Tolle in der Anfangszeit des Bloggens war: Keiner wusste, was bloggen ist. Wir waren nicht einmal sicher, ob das überhaupt jemand liest. Deshalb hatten wir auch keinen inneren Zensor. Es war einfach ein Experiment. Davon kann man immer noch etwas sehr Wichtiges lernen: Man muss sich einfach trauen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein oder die Tools schon alle zu beherrschen. Es geht darum, einfach den ersten Schritt zu machen, mit einem Tool, mit einer Plattform.

lexfree: Seit der Anfangszeit des Bloggens hat sich einiges verändert. Was sind für dich die spannendsten Entwicklungen der vergangenen Jahre im digitalen Storytelling?

Svenja: Dass es überhaupt wieder mehr um Storytelling geht! Wir sehen einen Wandel hin zu echtem Erzählen und Authentizität: Es geht darum, emotional zu erzählen, die Leute ins eigene Leben mitzunehmen und ihnen einen Mehrwert zu bieten. Dazu kommt, dass moderne Kommunikation hauptsächlich über Video läuft und immer weniger über Texte und Bilder – eine Entwicklung, die auch zunehmend vom Algorithmus gepusht wird.

lexfree: Was sind die wichtigsten Zutaten für gutes Storytelling auf Instagram?

Svenja: Hier sind drei Punkte entscheidend: Erstens, Videokompetenz und die Traute, selbst vor die Kamera zu treten. Zweitens, nicht nur die Höhenflüge zeigen, sondern auch Niedrigstatus. Und drittens, sich mit Menschen zu verbinden. Storytelling ist nicht nur das, was ich nach außen spiele, sondern vor allem das, was im Hintergrund stattfindet: Eine echte Community baut man auf, indem man Leuten tatsächlich antwortet.

lexfree: Wie können Solo-Selbstständige Storytelling zur Eigenvermarktung einsetzen, ohne dabei wie Staubsaugervertreter:innen rüberzukommen?

Svenja: Indem die beiden Sachen klar getrennt bleiben: die Kommunikation von Mensch zu Mensch auf der einen Seite und der Verkauf auf der anderen. Auf Social Media spreche ich einfach mit Menschen – so, wie ich es auch mit Freund:innen mache. Ich verkaufe eigentlich nie etwas. Menschen fragen mich nach einem Tipp, ich gebe ihnen den Tipp. Dabei verkaufe ich nie im selben Atemzug meine Kurse. Niemand will zum Kauf gedrängt werden, sondern sich frei dafür entscheiden. Deshalb finde ich auch die Funnel-Mentalität so fürchterlich – weil es ein künstlicher Weg ist, der die Menschen zu einer Kaufentscheidung führen soll. Das Problem ist: Die Leute merken, dass es aufgesetzt ist. Ich glaube an eine andere Kommunikation: eine organische, die sich entwickelt.

lexfree: Wie kann ich mein Social Media so gestalten, dass es keine Einbahnstraße von mir zu meinen Followern wird, sondern eine Community entsteht?

Svenja: Wir müssen weg vom Sender-Empfänger-Modell hin zum Verständnis, dass ich auch Empfänger:in bin. Kommunikation ist ein Spiel und wenn ich es mit Freude in alle Richtungen zulasse, dann ist es keine Einbahnstraße. Je mehr man auch öffentlich antwortet, zum Beispiel in den Kommentaren, und dort hilft, ohne gleich zu verkaufen, desto mehr fördert man ein entsprechendes Klima in der eigenen Community – nämlich ein sehr angenehmes.

lexfree: Bei aller Begeisterung für Social Media und den vielen Vorteilen sind die Plattformen ja doch auch darauf ausgelegt, dass wir möglichst viel Zeit dort verbringen – wie können wir Social Media so nutzen, dass wir sie im Griff haben, und nicht die Plattform uns?

Svenja: Ich lasse Social Media so in mein Leben, wie es mir taugt. Jede:r kann auch andere Kanäle für sich nutzen: Vorträge, Seminare, Flyer, was auch immer. Es gibt nicht nur Social Media auf dieser Welt, auch wenn es manchmal so aussieht. Ich mache außerdem zwei Mal im Jahr eine große Pause – den ganzen Dezember und sechs bis acht Wochen im Sommer. Wenn ich das erzähle, höre ich oft: Das würde ich mich nie trauen, weil ich dann weg vom Fenster bin. Das stimmt meiner Erfahrung nach überhaupt nicht: Ich verliere in dieser Zeit keine Follower. Sobald ich zurück bin, werde ich sofort wieder ausgespielt und alle freuen sich. Das liegt natürlich auch daran, wie ich meine Community aufgebaut habe: Es ist alles organisch gewachsen – deshalb funktioniert es.

Foto: Svenja Walter
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