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Ein Geschäftskonto ist für Solo-Selbstständige nicht vorgeschrieben. Trotzdem raten Expert:innen dazu. Wir haben bei Steuerberaterin Britta Schreiber nachgefragt, warum ein Geschäftskonto für Solo-Selbstständige so wichtig ist und worauf es dabei ankommt.

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Ihre junge Kanzlei in Kerpen ist digital aufgestellt und zählt neben Unternehmen und Privatpersonen zahlreiche Solo-Selbstständige zu ihren Mandant:innen, darunter auch viele Influencer:innen und Blogger:innen.

lexfree: Frau Schreiber, unter welchen Voraussetzungen kommt für Solo-Selbständige ein Geschäftskonto in Frage?  

Britta Schreiber: Wer sich für den Schritt in die Selbstständigkeit entscheidet, sollte ein Geschäftskonto führen, sobald regelmäßige monatliche Einnahmen erzielt werden. Und zwar unabhängig von der Umsatzhöhe.  

lexfree: Warum?

Britta Schreiber: Solo-Selbstständige können die privaten und die betrieblichen Zahlungen auf diese Weise sauber trennen. Das ist nicht nur für die eigene Buchführung wichtig, sondern insbesondere dann interessant, wenn die Daten eine:r Steuerberater:in zur Verfügung gestellt werden müssen. Mit einem Geschäftskonto ist es problemlos möglich, de:r Berater:in nur die betrieblichen Daten vorzulegen. Auch das Finanzamt kann an den Geschäftsumsätzen interessiert sein. Im Falle einer Betriebsprüfung möchte es die betrieblichen Zahlungsvorgänge einsehen. Ganz abgesehen davon, dulden manche Banken keine geschäftlichen Buchungen über Privatkonten. Wer in solchen Fällen trotzdem ein Privatkonto für sein Business nutzt, riskiert eine Kontosperrung durch die Bank.

lexfree: Wo sehen Sie die Vorteile eines Geschäftskontos?

Britta Schreiber: Ein Geschäftskonto erleichtert nicht nur die Buchführung und die Zusammenarbeit mit Steuerberater:in und Finanzamt. Es spielt auch für das professionelle Erscheinungsbild nach außen eine Rolle. Zwar erkennt die Kund:in zunächst nicht, ob es sich bei angegebenen Bankverbindung um ein Geschäfts- oder ein Privatkonto handelt. Aber wird anfangs ein Privatkonto genutzt und erst später auf ein Geschäftskonto gewechselt, beispielsweise weil das Business gewachsen ist, kann dies Kund:innen irritieren und den Eindruck erwecken, dass es anfangs nicht das Ziel war, das Geschäft professionell aufzustellen. Daher ist es ratsam, direkt zum Start der Selbstständigkeit ein Geschäftskonto zu eröffnen.

lexfree: Was sollte bei der Anlage eines Geschäftskontos beachtet werden?

Britta Schreiber: Insbesondere in der Anfangszeit einer Selbstständigkeit ist eine flexible Gebührenstruktur hilfreich. Viele Banken bieten Starter-Pakete an, die sich an der Anzahl der Buchungssätze orientieren. In der Anfangsphase wird eine vergleichsweise geringe Grundgebühr fällig, dafür sind Buchungskosten etwas höher. Mit steigenden Zahlungsbewegungen wächst die Grundgebühr an und die Buchungskosten sinken. Es lohnt sich, nach solchen abgestuften Angeboten zu fragen. Die meisten Banken haben sich auf Solo-Selbstständige eingestellt. Allerdings sollten Solo-Selbstständige nicht zu stark auf die kurzfristigen Kosten fokussieren, sondern langfristig denken.

lexfree: Das heißt?  

Britta Schreiber: Haben Solo-Selbstständige die langfristige Entwicklung im Blick – also mindestens einen Zeithorizont von fünf Jahren – sind weitere Überlegungen wichtig. Wird später vielleicht ein Kredit benötigt, um Investitionen zu finanzieren? Wie kann man mit seiner Bank dazu in Verhandlungen treten? Wie läuft der Prozess? Und was passiert, wenn das Konto mal ins Minus dreht? Kann es mit einem Kontokorrent-Kredit abgesichert werden? Ebenso sollten Solo-Selbständige prüfen, welche Schnittstellen ein Konto bietet, um mit de:r Steuerberater:in digital zusammenarbeiten zu können.  

Portrait Britta Schreiber
lexfree: Auch immer mehr Fintechs, so genannte Neobanken, bieten Geschäftskonten an – ist es eine gute Idee, dort ein Konto zu eröffnen?

Britta Schreiber: Es spricht nichts dagegen. Neobanken bieten viele Vorteile, die jungen Selbstständigen wichtig sind. Die komplett digitale Arbeitsweise und insbesondere das Mobile-Banking kommen gut an. Wir beobachten hier deutlich den Trend, je jünger ein:e Unternehmer:in, desto eher wird eine Digitalbank für das Geschäftskonto genutzt. Allerdings bieten diese Geschäftskonten nicht immer die nötigen Schnittstellen, die für eine digitale Zusammenarbeit nötig wären. Eine so genannte HBCI-PIN-TAN-Schnittstelle ist zum Beispiel wichtig, damit die Steuerberater:in die Umsätze aus dem Onlinebanking der Mandant:in direkt in die Kanzleisoftware übernehmen kann. Hier sollte man sich im Idealfall vor der Kontoeröffnung mit seine:r Steuerberater:in abstimmen, auf welche Schnittstellen es ankommt, und die Angebote daraufhin abklopfen. Wer solche Aspekte vorher durchdenkt, spart sich später viel Arbeit.

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