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Ist eine freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige sinnvoll?

Wenn du angestellt bist und deinen Job verlierst, bekommst du meist automatisch Arbeitslosengeld. Aber wie steht es damit, wenn du freiberuflich oder selbstständig arbeitest? Du kannst beispielsweise freiwillig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen. Erfahre hier bei lexfree, ob das für dich sinnvoll ist und was du dazu wissen solltest.

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Hast du als Selbstständige:r Anspruch auf Arbeits­losengeld?

Das Arbeitslosengeld wird in Deutschland aus der Arbeitslosenversicherung finanziert. Die Arbeitslosenversicherung gehört zu den Pflichtversicherungen von angestellten Arbeitnehmer:innen. Aber auch für Selbstständige gibt es Modelle sich abzusichern, beispielsweise die freiwillige Arbeitslosenversicherung.

Das bedeutet also, dass Angestellte mehr oder weniger automatisch Arbeitslosengeld erhalten, sollten sie ihren Job verlieren. Wie sieht das bei Selbstständigen und Freiberufler:innen aus?

Wichtig ist hierbei, dass es in Deutschland zwei Formen von Arbeitslosengeld gibt:

Arbeitslosen­geld I (ALG I)

Diese Form ist die direkte Leistung der Arbeitslosenversicherung an den oder die Arbeitnehmer:in. Das heißt also, dass diese dafür einen Teil ihres Lohnes bzw. Gehalts in die Versicherung einbezahlt haben.

Arbeitslosen­geld II (ALG II)

Wird auch Grundsicherung für erwerbsfähige Leistungsberechtigte oder Hartz VI genannt und wurde als staatliche Leistung für bedürftige Arbeitssuchende konzipiert. Diese Form des Arbeitslosengeldes wird ausbezahlt, wenn du keinen Anspruch mehr auf ALG I hast.

Auf ALG I hast du nach der Aufgabe deiner Selbstständigkeit nur unter bestimmten Bedingungen Anspruch. Es hängt davon ab, wie lange du in den letzten 2 Jahren vor Beginn deiner Arbeitslosigkeit in die (freiwillige) Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast.

Unabhängig davon gilt: Jeder Mensch in Deutschland hat nach dem Sozialgesetzbuch II (SGB) ein Anrecht auf die Grundsicherung, also auf ALG II. Für den Bezug musst du nicht zwangsläufig arbeitslos sein oder im Vorfeld Arbeitslosengeld I bezogen haben. Stattdessen steht dir diese Leistung auch als Selbstständige:r zu, wenn dein Einkommen nicht zur Deckung des täglichen Bedarfs ausreicht.

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Das bedeutet: Selbst wenn dein Business mal nicht so gut läuft, musst nicht direkt dein Gewerbe abmelden oder deine Freiberuflichkeit für immer aufgeben. Stattdessen kannst du ALG II beantragen.

Was genau ist die freiwillige Arbeitslosen­versicherung für Selbstständige?

Die freiwillige Arbeitslosenversicherung nimmt dich als Selbstständige:n in die normale Arbeitslosenversicherung für Arbeitnehmer:innen mit auf. Daher wird auch oft davon gesprochen, dass du dich damit in der Arbeitslosenversicherung weiterversicherst.

Info

Wichtige Infos zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung, die du wissen solltest:

  • Die freiwillige Arbeitslosenversicherung muss innerhalb von 3 Monaten, nachdem du deine selbstständige Tätigkeit begonnen hast, beantragt werden.
  • Beantragen kannst du die Versicherung beim Arbeitsamt.

Kann sich jede:r Selbstständige freiwillig arbeitslos­versichern?

Nein, nicht jede:r Selbstständige kann sich freiwillig arbeitslosenversichern. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Du musst die letzten 2 Jahre vor deiner Selbstständigkeit oder deiner Gründung mindestens 12 Monate in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis beschäftigt gewesen sein.
  • Du musst, direkt bevor du in deine Selbstständigkeit gestartet bist, Arbeitslosengeld oder eine andere Entgeltersatzleistung des SGB III bezogen haben.
Info

Übrigens zählt auch das Kurzarbeitergeld zum Zeitraum der 2 Jahre dazu. Du kannst also zeitweise Kurzarbeitergeld bezogen haben und dich dann freiwillig zur Arbeitslosenversicherung anmelden.

Wie hoch ist der Beitrag zur freiwilligen Arbeitslosen­versicherung?

Als Selbstständige:r zahlst du einen Beitrag von 2,4 Prozent des Durchschnittseinkommens (Bezugsgröße) innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung. Das entspricht 2021:

  • 3.290 Euro im Westen
  • 3.115 Euro im Osten

Daraus ergibt sich ein monatlicher Beitragssatz zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung für Selbstständige für das Jahr 2021 von:

  • 78,96 Euro im Westen
  • 74,76 Euro im Osten

Die Beiträge zahlst du direkt an die Bundesagentur für Arbeit.

Was wird dir monatlich ausbezahlt, wenn du arbeitslos wirst?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes, das du als freiwillig Weiterversicherte:r erhältst, wenn du dich arbeitslos meldest, orientiert sich an einem fiktiven Arbeitsentgelt. Die Höhe des fiktiven Arbeitsentgelts wiederum ist von der Beschäftigung und der Qualifikation abhängig.

Ist eine private Absicherung sinnvoller?

Für die meisten Selbstständigen ist es sinnvoller, eine private Arbeitslosenversicherung abzuschließen statt in die freiwillige gesetzliche Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Das gelingt zum Beispiel durch die Absicherung einzelner Risiken wie Arbeitsunfähigkeit.

Tipp

Stelle deine persönliche private Arbeits­losen­versicherung für Selbst­ständige zusammen

Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Arbeitslosenversicherung. Stattdessen schließt du Versicherungen ab, mit denen du die Ursachen für eine möglichen Arbeitslosigkeit abdeckst. Beispielsweise gehören Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeits­versicherungen dazu.

Kann man die freiwillige Arbeitslosen­versicherung kündigen?

Grundsätzlich ist die freiwillige Arbeitslosenversicherung auch wieder kündbar. Allerdings ist das erst nach 5 Jahren möglich. Die Kündigungsfrist beträgt 3 Monate zum Ende eines Kalendermonats und muss schriftlich eingereicht werden.

Achtung

Wenn du als Selbstständige:r in die freiwillige Arbeitslosenversicherung einzahlst und diese schlussendlich auch in Anspruch nimmst, dann gilt auch für dich der Grundsatz aus eigenem Antrieb alles zu tun, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Sprich, du musst ebenfalls jede zumutbare Beschäftigung annehmen, die dir die Arbeitsagentur vermittelt.

Was musst du beim Antrag auf die freiwillige Arbeitslosen­versicherung beachten?

Der Antrag auf eine freiwillige Arbeitslosenversicherung muss spätestens 3 Monate eingereicht werden, nachdem ein Gewerbe angemeldet oder eine freiberufliche Tätigkeit aufgenommen wurde.

Wichtig ist, dem Antrag Belege über die eigene Selbstständigkeit beizufügen. Das kann eine Kopie des Gewerbescheins sein oder Arbeitsproben, die die selbstständige Tätigkeit nachweisen.

Info

Gut zu wissen: Wenn du dich als Selbstständige:r arbeitslos meldest und Arbeitslosengeld beziehst, musst du nicht deine Selbstständigkeit aufgeben. Als erwerbslos definiert die Arbeitsagentur bereits eine Tätigkeit, bei der deine Wochenarbeitszeit unter 15 Stunden liegt. Sobald du Arbeitslosengeld aus der freiwilligen Arbeitslosenversicherung beziehst, darfst du pro Monat 165 Euro ohne Abzüge dazu verdienen.

Wann kannst du die freiwillige Arbeitslosen­versicherung in Anspruch nehmen?

Wer als erwerbslos gilt, kann die freiwillige Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen. Das ist der Fall, wenn

  1. du keine oder nur wenige Aufträge hast, deine Selbstständigkeit aber nicht aufgeben willst
  2. du deine Selbstständigkeit aufgegeben hast
  3. du die sonstigen Voraussetzungen für den Bezug von Arbeitslosengeld erfüllst

Beachte bei Punkt 1 die 15 Stunden-Regel. Den Antrag auf Bezug musst du bei der Agentur für Arbeit einreichen.

Zusammenfassung

Freiwillige Arbeits­losen­versicherung zusammengefasst

  • Selbstständige können unter bestimmten Voraussetzungen die freiwillige Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen.
  • Arbeitslosengeld II, die Grundsicherung, steht jedem Selbstständigen zu, ob mit oder ohne Arbeitslosenversicherung.
  • Beantragt wird die freiwillige Arbeitslosenversicherung bei der Agentur für Arbeit.
  • Die monatlichen Beiträge errechnen sich aus deinen Durchschnittseinkünften innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Wenn du keine oder nur geringe Einkünfte hast, kannst du die freiwillige Arbeitslosenversicherung in Anspruch nehmen.
  • Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt von der Beschäftigung und Qualifikation ab.
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