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Eva hat zwei Titel-Illustrationen auf der Agenda. Am Ende der Woche sollen die raus. Denn die Woche drauf ist für ihren Sohn Vito reserviert. Eva ist freie Illustratorin in Wien. Immer im Wechsel kümmern sich Eva und Vitos Vater wochenweise um die Kinder-Betreuung. Wie sie den Spagat zwischen Kind und Kund:in immer wieder aufs Neue organisiert? Wir haben mit Eva gesprochen.

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lexfree: Hallo Eva, schön, dass du dir Zeit für uns nimmst. Was kam eigentlich bei dir zuerst: dein Kind oder das Freelancen?

Eva: Nach Vitos Geburt kam erstmal eine Auszeit. Und währenddessen ist in mir der Wunsch gereift, mich als freie Illustratorin zu etablieren. Ich hatte dann Kontakt mit der Wiener Agentur „Caroline Seidler“. Caroline sah meine Arbeit und zeigte sofort Interesse. Und so fing’s an. Sobald Vito schlief, illustrierte ich los. Das war schon Kräfte zehrend. Aber der Wunsch und die Freude, endlich frei zu arbeiten gaben mir extrem viel Kraft und Ausdauer – und die Ideen sprudelten. Mein erster großer Auftrag wurde ein voller Erfolg.

lexfree: Wie organisierst du das – Kind und Job?

Eva: Tja, oft nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Neben dem Job als Illustratorin unterrichte ich auch noch regelmäßig – und bin natürlich auch Mutter. Dazu kommt, dass ich die Ansprüche an mich und meine Arbeit sehr hoch ansetze. Ich wundere mich oft über mich selber, dass mir das alles gelingt! (lacht) Seit der Trennung von meinem Mann kann ich mir die Zeit insgesamt besser einteilen: Wir haben geteiltes Sorgerecht. Und ich arbeite nur, wenn Vito bei seinem Vater oder in der Schule ist. Früher konnte ich oft nur spätabends illustrieren oder mal 2-3 Stunden, bevor ich Vito vom Kindergarten abgeholt habe. Das hat sich mittlerweile entspannt.

lexfree: Hast du einen Tipp für alle, die Kind und Solo-Selbstständigkeit kombinieren wollen?

Eva: Ja. Richtet euch im privaten Leben ein familiäres Umfeld ein! Ein Netz aus guten Freunden und Familie, das euch auffängt – das ist das Wichtigste. Als freie Illustratorin muss ich oft richtig flexibel sein und Aufträge teilweise sehr kurzfristig abwickeln. Dann jemanden zu haben, der Vito vom Hort abholt oder ihm Abendessen macht, ist Gold wert.

lexfree: Eva, wir danken dir für dieses Gespräch.
Eva Vasari, freie Illustratorin in Wien
Eva Vasari, freie Illustratorin in Wien

Alles bleibt anders. Und das ständig.

Während Angestellte recht geregelte Arbeitszeiten haben, sieht der Alltag für Freelancer:innen meist anders aus: Oft weiß man ja gar nicht, wie sich der Workload in den kommenden Wochen entwickelt. Dafür genießt man als Solo-Selbstständige:r eine gewisse Freiheit. Um die Kleinen nachmittags zum Kicken zu bringen. Oder unter der Woche spontan einen Ausflug in den Zoo zu machen. Aber wie kriegt man das hin – einen Alltag, in dem Freelancer-Job und Kinder Platz haben? Neben Evas Erfahrungen hier noch ein paar weitere Tipps:

Work’n play.

Du bist eher der Typ für Coworking Space statt Homeoffice? Es gibt Coworking Space auch mit Kinderbetreuung! Während man sich liebevoll um deinen Racker kümmert, haust du nebenan in die Tasten. Triffst Kunden. Networkst. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Modelle: feste Plätze oder Betreuung nur nach Bedarf. Zum Beispiel die Coworking Toddler in Berlin: Hier spielen und arbeiten alle unter einem Dach. Zum Kuscheln und Stillen geht man einfach nach Nebenan. Und mittags gibt’s zusammen mit den Kids eine warme Mahlzeit – frisch vom Bio-Caterer. Das Schöne? Diese Einrichtung ist sogar „Kitagutschein-zugelassen“. Sowas ähnliches gibt’s vielleicht auch in deiner Umgebung – hör dich mal um.

Routine tut allen gut.

Kinder brauchen Routine und – ruhig mehrere – aber feste Bezugspersonen. Sie müssen sich an einen Ort gewöhnen können, um sich dort wohlzufühlen. Ein Hopping zwischen verschiedenen Coworking Spaces, wie du es vielleicht als Freelancer:in gewohnt warst, wird mit Nachwuchs schwierig. Dein Kind möchte ja auch Freundschaften knüpfen. Und dafür braucht es eine gewisse Regelmäßigkeit und Verbindlichkeit. Und dir tut‘s vielleicht auch ganz gut, feste Arbeitstage zu haben, oder?

Caring is sharing.

Du kannst dich auch einfach mit einem weiteren Freelancer oder einer weiteren Freelancerin als Tandem zusammentun. Immer abwechselnd betreut eine:r die Kids und der oder die andere macht seinen bzw. ihren Job. Es lohnt sich auch, nach einer Kindertagesmutter Ausschau zu halten – die sind zeitlich oft etwas flexibler als Kitas. Dafür muss man natürlich mehr absprechen, aber auch das kann ein Weg sein.

Dein Organisationstalent ist gefragt.

Kind und Selbstständigkeit – Challenge und Chance zugleich. Aber wer wie du sein eigner Boss ist, der hat locker das Zeug dazu. Dich selbst zu organisieren bist du ja gewohnt. Mit vorausschauender finanzieller Planung und einem Netzwerk aus Kollegen:innen mit Kids, Verwandten und flexiblen Betreuungsmöglichkeiten kriegst du das bestimmt unter einen Hut. Wär‘ doch gelacht!

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