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Am Tisch sitzende Frau, die Papiere herumwirftIcon Video abspielen
Foto: Karolina Grabowska (Pexels)

Die Schublade geht kaum mehr zu, der Rechner schreit nach Speicherplatz und die Schranktüren verbergen ein seit Jahren unangetastetes Chaos. Vielleicht schaut es in deinen Schränken ja weniger apokalyptisch aus als in meinen. Umso besser, denn dann brauchst Du sicher auch nicht ganz so lange, um einmal gründlich auszumisten und dich an einer neuen, erfrischenden Ordnung zu erfreuen.

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Alles auf einmal? Katastrophe.

Früher sah Aufräumen bei mir etwa so aus: Alles aus den Schränken und Regalen reißen, inmitten dieses riesigen Haufens enthusiastisch lossortieren, kurz darauf im Chaos untergehen und schnell alles wieder so einräumen, wie es war. Nicht so der Brüller.

Auch mit der Methode von Marie Kondo, der Aufräum-Ikone aus Japan, kam ich (erst einmal) nicht weit. Hier wurde der Haufen zwar etwas kleiner, weil nur Gegenstände aus bestimmten Kategorien auf den jeweiligen Haufen kamen, aber die Überforderung blieb.

Ein guter Plan

Für die initiale Chaosbefriedung war die sogenannte KonMari Methode – für mich – also ungeeignet. Später allerdings hat sie mir einen entscheidenden Schritt weitergeholfen, vor allem im Kopf. Denn sie stellt einen wichtigen Punkt in den Vordergrund: Wer ein glückliches Leben führen möchte – und ich übertrage das jetzt mal direkt auf eine glückliche Selbstständigkeit – der sollte sich mit Dingen umgeben, die ihn glücklich stimmen. Und zwar ausschließlich mit solchen Dingen. Es geht um die Konzentration auf die wichtigen, die geschätzten Dinge und das Loslassen der unwichtigen, ungeliebten Dinge. Klingt für mich nach einem richtig guten Plan.

Ja zu Freude & Notwendigkeit

Als einziges Auswahlkriterium lässt Marie Kondo „Sparkling Joy“ zu, also die „funkelnde Freude“, die ein Gegenstand entweder in einem auslöst oder eben nicht. Das finde ich für das Wohnzimmer sinnvoll, für das Büro eher weniger. Bei mir wäre das Ergebnis eine Schublade voller Bücherschrauben, Prägezange und vintage Füllfederhalter gewesen, allerdings ohne banalen Locher, Kuli oder sonstige Dinge des täglichen Bürobedarfs. Also habe ich das Regelwerk etwas erweitert. Neben „macht Freude“ gilt ab sofort auch „muss sein“.

Kleine Cluster statt großer Haufen

Wie gesagt: Große Haufen sind für mich persönlich Mist. Also nehme ich mir kleine, gut verdauliche Aufräum-Häppchen vor. Dieses Clustering funktioniert räumlich, also Schranktür für Schranktür, Schublade für Schublade oder thematisch. Letzteres finde ich sinnvoller, da meine Schubladen durchaus Redundanzen aufweisen, die dann unbemerkt durchflutschen oder doppelte Arbeit bedeuten würden. Meine thematischen Cluster lauten

  • Büromaterialien (Stifte, Locher, Papier, Briefumschläge, …)
  • Orga (Ablage, Arbeitsproben, wichtige Unterlagen, …)
  • Steuern (Steuern & Buchhaltung)
  • Rechner (Wo soll ich anfangen …)

Finde deine eigenen Cluster und schau, was für dich und dein Business Sinn ergibt.

Sortier-Kategorien

Bevor es losgeht, räume ich meinen Schreibtisch komplett leer, nehme mir eine große Mülltüte und einen Umzugskarton. Auf den Schreibtisch stelle ich alles, was ich behalten möchte. Mülltüte ist klar. Im Umzugskarton sammle ich Dinge, die noch brauchbar sind, aber weg sollen. Jetzt knöpfe ich mir die einzelnen Cluster vor und entscheide über den Verbleib von jedem einzelnen Teil.

  • MUSS sein -> Schreibtisch
    Kleine Gedankenstütze: Muss sein heißt: Es geht nicht ohne. Für mich als Texterin gilt das eigentlich nur für eine Möglichkeit zu schreiben und ein Kommunikationsmedium. Als Heilpraktikerin ist diese Liste schon etwas länger.
  • Macht FREUDE -> Schreibtisch
    Für mich sind das zum Beispiel Briefmarken, weil ich keine Lust habe, für jeden Brief zur Post zu rennen. Oder die erwähnte Prägezange, für die ich viel zu selten Einsatzmöglichkeiten finde. Aber wenn, dann ist es großartig.
  • Kommt in den Müll -> Mülltüte
    Die selbstklebenden Briefumschläge mit den ausgetrockneten Klebeflächen gesellen sich hier zu leeren Kulis und sonstwie funktionsgestörtem Bürogerät.
  • Verschenken -> Umzugskarton
    Ich musste (wider Erwarten) noch nie gleichzeitig beidhändig lochen. Einer meiner beiden Locher fliegt also in diese Kiste. Genau wie alles andere, was nicht sein MUSS und mir keine FREUDE macht. Anderen aber vielleicht schon.
  • Ebay -> Umzugskarton
    Früher hatte diese Kategorie ihre eigene Kiste. Die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass mir der Aufwand des Einstellens und anschließenden Versendens deutlich mehr zusetzt, als diese Dinge einfach direkt zu verschenken. Also tue ich lieber das.
Tipp

Verschenken macht Freude

In meinem alten Viertel in Hamburg gab es einen wind- und wettergeschützten Torbogen, in den Menschen Dinge stellten, von denen sie glaubten, dass andere sich darüber freuen würden. Bücher, Geschirr, kleine Stehlampen. Das Wenige, was nicht mitgenommen wurde, entsorgte einmal die Woche die Müllabfuhr. Vielleicht gibt es bei dir in der Nähe einen ähnlichen Ort oder Du kannst einfach eine „Zu verschenken“-Kiste vor deine Tür stellen. Ich bringe gut erhaltene Dinge ins hiesige Sozialkaufhaus.

Büromaterialien ausmisten

Ich denke, hierzu muss ich nicht viel sagen. Für mich war es regelrecht feierlich, die kleine Espressotasse mit den Büroklammern über der Mülltüte zu entleeren. Ich habe eigentlich noch nie welche benötigt. Trotzdem hielt ich immer einen kleinen Vorrat parat, der mir regelmäßig beim Rumwühlen im Schrank vor die Füße kippte. Weg damit.

Orga ausmisten

Meine Ablage ist etwa so hoch wie mein Unterarm lang ist. Das wird dauern. Aber es tut gut, das undurchsichtige Kuddelmuddel aufzudröseln. Rechnungen wandern zur Buchhaltung, wichtige Schreiben hefte ich in den entsprechenden Ordnern ab (Versicherungen, Rente, Krankenkasse, …). Bei der Gelegenheit befreie ich diese Ordner auch gleich von Altlasten wie Unterlagen zu gekündigten Versicherungen, Handyverträgen oder längst verschrotteten Autos. Das geht insgesamt deutlich schneller, als befürchtet. Tschaka!

Dann stehe ich vor dem Hügel bis Berg an Arbeitsproben: Broschüren, Flyer, Folder, einige besonders schön, andere mit besonders namhaftem Absender. Nostalgie liegt in der Luft, das Ende einer jeden erfolgreichen Ausmist-Aktion. Jetzt muss es schnell gehen, sonst geht gar nichts mehr. Marie Kondo erscheint vor meinem inneren Auge und mit ihr der rettende Satz: Was keine Freude macht, kann weg. Nach diesem Credo entsorge ich einen Großteil der Arbeitsproben. Und es fühlt sich richtig gut an.

Steuern ausmisten

Bei der Buchhaltung gibt es eigentlich nicht viel auszumisten. Es ist vielmehr eine Frage der Organisation. In der Theorie kann ich das. Einmal monatlich alle Belege und Rechnungen sortieren, alles den Kontoauszügen zuordnen und in die Buchhaltungssoftware eingeben. In der Praxis klappt das seit nunmehr 20 Jahren mehr schlecht als recht, weshalb die Buchhaltung nun an den Steuerberater geht. Auch eine Art des Aufräumens.

Im Keller stehen Ordner voll mit besagter Buchhaltung. Die der letzten 10 Jahre müssen da leider stehen bleiben wegen der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen. Was älter ist, wird an den Dokumentenvernichter verfüttert. Ein Geräusch der Befreiung.

Rechner ausmisten

Ein thematisches Fass ohne Boden. Ich persönlich habe einen nicht mehr ganz taufrischen iMac (2013), den ich inzwischen mehrfach neu aufgesetzt habe. Zum einen, weil er danach wieder läuft wie neu. Aber vor allem, weil es mich zwingt, sämtliche Programme und Daten einmal zu sichten und zu entscheiden, was ich nach dem Reset wieder installieren oder auf den Rechner laden möchte. Zwischen den Rücksetzungen versuche ich meine Apple-Oma mit dem Programm Onyx sauber und frisch zu halten. Außerdem schalte ich den Rechner regelmäßig aus, damit alle wichtigen Skripte ausgeführt werden.

Im Rausch des Aufräumens knöpfe ich mir auch mein E-Mail-Postfach vor. Über 65.000 Mails liegen da herum. Nach absurd zeitintensiven händischen Filterversuchen lösche ich rigoros alles, was älter ist als 3 Jahre. Auch hier spüre ich ein Gefühl der Erleichterung. Bestens.

Es würde mich freuen, dich mit diesem kleinen Bericht zu einer eigenen Ausmist-Aktion zu inspirieren. Es ist kein hohler Spruch, dass es sich mit weniger Ballast einfach leichter lebt (und arbeitet). In diesem Sinne: Viel Vergnügen beim Ausmisten, Ordnungschaffen und Leichterleben!

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