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Berufs­­unfähig­­keits­­versicherung für Selbst­­ständige: Warum ist sie wichtig und was ist beim Abschluss zu beachten?

Ob durch Unfall oder Krankheit – mitunter spielt dir das Leben einen Streich und du siehst dich plötzlich mit der Situation konfrontiert, deine Erwerbstätigkeit nicht mehr ausüben zu können. Gegen Extremfälle dieser Art versichert dich eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Wir erklären dir, was sie bietet und worauf du achten solltest, wenn du eine BUV zur Absicherung deines Lebensstandards abschließen möchtest.

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Was versteht man unter einer Berufs­unfähig­keits­versicherung?

Wenn es um die wichtigsten Versicherungen für Selbstständige geht, dann steht die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU oder BUV) ganz oben auf der Liste. Per Definition bietet sie dir finanziellen Schutz, wenn du deinen Beruf aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls für längere Zeit oder sogar dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Mit der Höhe deiner Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du bis zum Rentenbeginn dein Auskommen haben und den bisherigen Lebensstandard deiner Familie finanzieren können. Eine Selbstständigkeit ohne Berufsunfähigkeitsversicherung stellt dagegen ein echtes Risiko dar und kann schlimmstenfalls zur völligen Verarmung führen.

Warum ist eine Berufs­unfähig­keits­versicherung für Selbst­ständige sinnvoll?

Junge Menschen denken häufig nicht über Berufsunfähigkeit nach. Viele erst dann, wenn es schon zu spät ist. Dabei ist es für dich als Selbstständige:n immens wichtig, dich mit Blick auf deine Zukunft ausreichend abzusichern. Finanzielles Wissen ist sozusagen Pflicht. Folgende Fakten sprechen dafür, weshalb du als Selbstständige:r eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen solltest:

  1. Kein Geld vom Staat: Als Selbstständige:r bist du in der Regel nicht in der deutschen Rentenversicherung versichert. Im Ernstfall besteht für dich daher kein Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.
  2. Selbst wenn du freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung oder ein Versorgungswerk einzahlst, erhältst du im Falle einer Berufsunfähigkeit in der Regel nur dann Leistungen, wenn du vollständig erwerbsunfähig bist. Eine Teilerwerbsunfähigkeit ist somit nicht abgesichert.
  3. Bedenke, dass du als Selbstständige:r auch keinen Schutz durch eine gesetzliche Unfallversicherung hast. Auch bei einer drohenden Arbeitslosigkeit durch körperliche Einschränkungen stehst du allein da.  
  4. Häufig sparen sich Selbstständige auch den Abschluss einer Krankentagegeld-Versicherung. Auch hier könnte dir eine BU Unterstützung bieten.
Info

Gut zu wissen: Berufsunfähigkeit ist immer ein Risiko – ganz gleich, ob du Freiberufler:in, Arbeitnehmer:in oder Selbstständige:r bist. Theoretisch kann jeder von einem Tag auf den anderen arbeitsunfähig werden. Statistischen Erhebungen zufolge passiert dies jedem vierten Menschen irgendwann in seinem Leben. Die häufigsten Ursachen dafür sind psychische Erkrankungen wie Burnout, Depression und Angsterkrankungen. Darum ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für jede:n, besonders aber für Selbstständige und Freiberufler:innen sinnvoll. So sichern sie ihren Lebensstandard und schützen sich vor sozialem Abstieg.

Wann greift die Berufs­unfähig­keits­versicherung bei Selbst­ständigen?

In der Regel greift der Versicherungsschutz, sobald du nicht mehr in der Lage bist, mindestens 50 % deiner gewohnten Tätigkeiten zu verrichten. Dabei spielt die Ursache keine Rolle. So sind körperliche Krankheiten ebenso abgedeckt wie psychische Probleme und die Folgen eines Unfalls. Nach einer Prüfung durch die Versicherungsgesellschaft wird die vereinbarte monatliche BU-Rente auf dein Konto eingezahlt.

Achtung

Achte darauf, ob es eine Sonderregelung gibt

Für Selbstständige gibt es bei der BU-Versicherung oft eine Sonderregelung. Dabei wird geprüft, ob eine Weiterbeschäftigung durch eine zumutbare Umorganisation möglich ist. Entscheidend ist hier, dass du eine angemessene und zumutbare Tätigkeit als Selbstständige:r findest, die du zu mindestens 50 % der Zeit ausüben kannst. Für die Umorganisation gelten keine pauschalen Regelungen. Somit wird das immer individuell von Fall zu Fall entschieden.

Wie hoch sind die Kosten für eine Berufs­unfähig­keits­versicherung für Selbst­ständige

Ganz gleich, ob du Grafiker:in, Handwerker:in oder Planungsingenieur:in bist – für eine BU für Selbstständige ist die Höhe der monatlichen Beiträge sehr variabel. Der Zahlbeitrag ist der im Vertrag vereinbarte Beitrag, der unter bestimmten Umständen auf den Tarifbeitrag steigt. Dieser richtet sich jeweils nach dem Beruf und dem damit verbundenen Risiko. Darüber hinaus beeinflussen auch andere Faktoren die Höhe deiner Versicherungsbeiträge. Folgendes musst du wissen:

  • Dein Beruf: Bei Risikoberufen ist der Versicherungsschutz deutlich teurer. Geringeres Risiko wirkt sich somit beitragssenkend aus.
  • Dein Alter: Je jünger du bist, desto günstiger sind die Versicherungstarife. Deshalb ist es grundsätzlich optimal, wenn man die BUV schon während der Schulzeit für die Ausbildung abschließt.
  • Dein Gesundheitszustand: Ein guter Gesundheitszustand und möglichst wenig Vorerkrankungen spiegeln sich auch im Preis wider. Achte bei den Gesundheitsfragen genau auf deine Wortwahl, damit dein Gesundheitsstatus nicht fehlinterpretiert werden kann.
  • Höhe der Berufsunfähigkeitsrente: Je nachdem, welche Summe du versichern möchtest, variiert auch der Beitrag, den du monatlich zahlen musst. Als Faustregel gilt, dass du eine Rente in Höhe von mindestens 70 bis 80 % deines aktuellen Nettoeinkommens pro Monat absichern solltest. Hol dir dazu am besten unterschiedliche BU-Angebote ein.
  • Deine Zusatzleistungen: Falls du deine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer privaten Altersvorsorge kombinieren möchtest, ist eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung (BUZ) eine Option für dich. Diese Kombination erhöht zwar deinen Beitrag, aber du kümmerst dich gleichzeitig auch um deine Altersvorsorge.
  • Vergleichen macht Sinn: Speziell für Freiberufler:innen können die Kosten zwischen verschiedenen Versicherungsanbietern sehr stark variieren. Deshalb lohnt sich vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige ein Vergleich durch einen Online-Rechner. So hast du bei der Erstberatung schon eine gute Übersicht darüber, was du von der Berufsunfähigkeitsversicherung als Selbstständige:r erwarten kannst.
Tipp

Als Selbstständige:r kannst du die Beiträge zur Arbeits­unfähig­keits­versicherung von der Steuer absetzen. Die Beiträge gelten als Sonderausgaben und mindern so die Steuerlast. Bei Arbeitnehmenden und Beamten sind bis zu 1.900 Euro absetzbar, bei Selbstständigen bis zu 2.800 Euro.

Welche Leistungen einer BU sind für Selbst­ständige besonders wichtig?

Für einen ausreichenden Schutz durch eine BU-Versicherung müssen für Selbständige grundlegende Kriterien erfüllt sein. Mache deshalb die Wahl des Tarifs deiner Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige nicht allein von den monatlichen Kosten abhängig, sondern prüfe auch den vollen Leistungsumfang. Stelle dafür mehrere Berufsunfähigkeitsversicherungen und deren Versicherungsbedingungen für Selbstständige in einem Vergleich gegenüber. So findest du deinen perfekten Schutz mit allen Leistungen, die dir wichtig sind. Hier ein paar Tipps, worauf du vor Vertragsabschluss achten solltest:

Nachversicher­ungs­garantie

Sie greift, wenn sich deine Lebenssituation ändert. Somit kannst du die ursprünglich vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente ohne erneute Gesundheitsprüfung aufstocken.

Karenzzeit

Sie ist der Zeitraum zwischen dem Eintritt der Berufsunfähigkeit und der ersten Rentenzahlung durch die Versicherung. Häufig liegt die Karenzzeit bei 6 Monaten. Bei manchen Verträgen führt eine längere Karenzzeit zu geringeren Beiträgen.

Beitrags­dynamik

Selbstständige und Freiberufler:innen können in ihren Vertrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung eine Beitragsdynamik einschließen. Auf diese Weise erhöht sich der Versicherungsbeitrag jedes Jahr um einen festen Prozentsatz und damit die künftige Berufsunfähigkeitsrente. Dies ist sinnvoll, um inflationsbedingte Wertschwankungen und steigende Lebenshaltungskosten auszugleichen.

Vertrags­laufzeit

Auch als Selbstständige:r ist es wichtig zu wissen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung bis zum Rentenalter greift. Vereinbare deshalb eine Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum Alter von 67 Jahren. Bei kürzerer Vertragslaufzeit musst du die Jahre ohne Versicherungsschutz mit Ersparnissen überbrücken.

Höhe der Berufsunfähig­keits­rente

Damit du trotz Berufsunfähigkeit keine Einkommenseinbußen erleidest, ist eine entsprechend hohe Berufsunfähigkeitsrente erforderlich. Sie sollte etwa 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens ausmachen. Kalkuliere deshalb deine monatlichen Ausgaben und überlege genau, welche zusätzlichen Kosten durch eine Berufsunfähigkeit auf dich zukommen.

Abstrakte Verweisung

Wenn du eine Berufsunfähig­keits­versicherung abschließen möchtest, solltest du auf den Ausschluss der abstrakten Verweisung achten. Sonst kann der Versicherer im Leistungsfall prüfen, ob du unter bestimmten Voraussetzungen eine vergleichbare andere Tätigkeit ausüben könntest. Viele BUV verzichten von vornherein auf diese Klausel.

Direkt­versicherung

Für Selbständige hat eine Berufsunfähig­keits­versicherung als Direktversicherung den Vorteil, dass die Beiträge direkt vom monatlichen Bruttogehalt abgezogen werden. So kannst du sie als Betriebsausgabe geltend machen und sowohl Steuern als auch Sozialversicherungsbeiträge sparen.

Tipp

Bevor du dich für eine Versicherung entscheidest, solltest du alle Vertragsbedingungen durchgehen. Auf Basis unabhängiger Bewertungen der Berufsunfähigkeitsversicherungen, die für dich als Selbstständige:r in Frage kommen, kannst du die Auswahl direkt beschränken. Hol dir außerdem eine übersichtliche Checkliste (z. B. von Stiftung Warentest), mit der du alle relevanten BUV-Themen prüfen kannst. Lass dir nach dem Gespräch mit dem Versicherer deiner Wahl diese Liste unterschreiben. Sie bildet im Streitfall eine gute Grundlage im Sinne deiner Beweisführung.

Darf man mehrere Berufs­unfähig­keits­versicherungen abschließen?

Im Falle einer Berufsunfähigkeit sollte die Absicherung in einem angemessenen Verhältnis zum Einkommen stehen. Dies ist gegeben, wenn die monatliche Zahlung maximal 90 % des Nettoeinkommens beträgt. Grundsätzlich ist es daher möglich, dass du mehrere Verträge parallel eingehst. Damit es nicht zu einer sogenannten „Überversorgung“ kommt, wird dich die Versicherungsgesellschaft in der Regel vor Vertragsabschluss nach anderen Verträgen fragen. So wird ausgeschlossen, dass eine Person durch die Berufsunfähigkeit mehr Einkommen generiert als vorher.

Was ist zu tun, um im Bedarfs­fall Leistungen aus der BU zu erhalten?

Wenn du beispielsweise einen Unfall hast und dadurch berufsunfähig wirst, musst du folgenden Prozess durchlaufen, um an deine BU-Rente zu kommen:

  1. Dein behandelnder Arzt wird dir eine Arbeitsunfähigkeit attestieren. Sie muss länger als 3 Monate bestehen.
  2. Ein Arzt prognostiziert, ob der Unfall oder ggf. die Erkrankung zu einer Berufsunfähigkeit führt.
  3. Nach der Prognose schließt sich ein ärztliches Gutachten an, was die Grundlage der Antragstellung bei einer BUV ist.
  4. Die jeweilige BUV führt nun eine Leistungsprüfung durch und teilt dir ihre Entscheidung mit.

Sobald die Versicherung Fakten und Daten überprüft hat, wird sie deinen Antrag im Idealfall direkt genehmigen. Wenn die Sachlage für die Versicherungsgesellschaft unklar ist, musst du mit weiteren Arztbesuchen sowie Gutachten rechnen.

Was passiert, wenn dein Antrag nicht genehmigt wird?

Falls dein Antrag abgelehnt wird, solltest du Rücksprache mit deiner Versicherung halten und nachfragen, was die Gründe dafür waren. Fühlst du dich nicht gut beraten, kannst du dich zur Sicherheit an eine Verbraucherschutzorganisation wenden, deren unabhängige Berater dein Anliegen mit dir besprechen. Eine weitere Option ist es, den sogenannten Ombudsmann für Versicherungen zu kontaktieren. Seine Aufgabe ist es, Streitigkeiten zu schlichten und für Klarheit zu sorgen.

Zusammenfassung

BU für Selbstständige zusammen­gefasst

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bietet dir finanziellen Schutz, wenn du deinen Beruf über einen bestimmten Zeitraum oder dauerhaft nicht ausüben kannst, z. B. wegen Krankheit.
  • Die monatlichen Beiträge für deine BUV müssen bezahlbar sein. Berechne deshalb genau, wie viel Geld du zum Leben brauchst und lege danach deine Beitragszahlungen fest.
  • Tritt der Versicherungsfall ein, dann muss deine Versicherungsgesellschaft die BU-Rente ohne weitere Einschränkungen zahlen.
  • Die Höhe der BU-Rente bzw. zusätzlich vereinbarte Leistungen müssen so ausgelegt sein, dass du bis zum Beginn deines Rentenalters deinen üblichen Lebensstandard finanzieren kannst.
  • Deine BU-Rente sollte mindestens 70 bis 80 % deines Nettoeinkommens betragen.
  • Bevor du dich festlegst, informiere dich gründlich über Vertragsinhalte und etwaige Sonderklauseln bei verschiedenen Versicherungen.
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